Viele Kleinunternehmer:innen kommen irgendwann an den Punkt, an dem eigenes Kapital nicht mehr reicht: Sei es für neue Technik, die erste Mitarbeiterin oder einfach, um ein Liquiditätsloch zu überbrücken. Ein Kredit scheint da naheliegend – doch gerade kleine Unternehmen haben es oft schwer, überhaupt an Finanzierung zu kommen.
Warum das so ist, welche Alternativen es zum klassischen Bankkredit gibt und wie du dich gut auf eine Kreditanfrage vorbereitest, erfährst du in diesem Beitrag.
Für viele Kleinunternehmer:innen – ob hauptberuflich oder nebenberuflich selbstständig – ist ein Kredit eine interessante Option: zum Beispiel, um in neue Ausstattung zu investieren oder die eigene Geschäftsidee auszubauen. Doch gerade bei kleinen Betrieben stoßen klassische Finanzierungen schnell an Grenzen.
Der Grund: Banken tun sich mit Krediten für Selbstständige grundsätzlich schwer – vor allem, wenn es keine großen Sicherheiten, stabile Rücklagen oder regelmäßige Einkünfte gibt. Wer als Kleinunternehmer:in gilt, steht in den Augen vieler Kreditinstitute in einer Art Grauzone: zu klein fürs klassische Firmenkundengeschäft, aber zu „unplanbar“ für Standardkredite.
Dazu kommt, dass die steuerliche Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) zwar bei der Umsatzsteuer Erleichterung bringt – aber kein (!) Qualitätsmerkmal für Banken darstellt. Im Gegenteil: Sie kann eher den Eindruck erwecken, dass es sich um ein nebenberufliches, wenig wachstumsorientiertes Geschäft handelt.
Wenn ein:e Kleinunternehmer:in einen Kredit beantragt, scheitert es oft nicht an der Idee – sondern an den formalen Voraussetzungen oder schlicht am fehlenden Vertrauen der Bank. Zu den häufigsten Stolpersteinen zählen:
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Allerdings ist Kredit nicht gleich Kredit – besonders als Kleinunternehmer:in lohnt sich ein genauer Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten. Zumal nicht jede Finanzierungsform für jede Situation geeignet ist. Je nach Geschäftsmodell, Höhe des Kapitalbedarfs und persönlicher Bonität stehen dir unterschiedliche Optionen zur Verfügung:
Kreditart | Vorteile | Nachteile |
---|---|---|
Mikrokredit | Einfachere Bewilligung, niedrige Hürden | Kleinere Kreditsummen (bis ca. 25.000€) |
P2P-Kredit (Crowdlending) | Keine Bank, individuelle Prüfung | Höhere Zinsen als klassische Kredite |
KfW-Förderkredit | Günstige Zinsen, längere Laufzeiten | Aufwendige Beantragung, oft über Hausbank |
Kontokorrentkredit | Flexibel, sofort verfügbar | Hohe Zinsen, nur für kurzfristige Engpässe |
Ratenkredit | Feste monatliche Raten | Strenge Bonitätsprüfung |
Lieferantenkredit | Kein Bankkredit notwendig | Abhängigkeit von Lieferanten |
Privater Kredit | Flexible Vereinbarungen | Potenzielle Konflikte mit Familie/Freunden |
💡 Tipp: Ein Mix aus verschiedenen Finanzierungsformen kann oft sinnvoll sein.
Für viele Solo-Selbstständige oder Kleingewerbetreibende ist der klassische Bankkredit unerreichbar – hier setzen Mikrokredite an. Sie richten sich gezielt an kleine Unternehmen mit wenig Eigenkapital und ohne Sicherheiten. Möglich sind in der Regel Beträge bis ca. 25.000 €, häufig verbunden mit Beratung und Begleitung.
Bekanntester Anbieter ist der Mikrokreditfonds Deutschland, der über zertifizierte Mikrofinanzinstitute vergeben wird. Die Rückzahlung erfolgt meist in kurzen Laufzeiten mit festen Raten. Die Hürde zur Bewilligung ist oft deutlich niedriger als bei Geschäftsbanken.
Plattformen wie auxmoney oder smava vermitteln Kredite zwischen privaten Geldgeber:innen und Kreditnehmenden. Der Vorteil: Die Entscheidung über eine Finanzierung basiert nicht nur auf Bankkriterien, sondern auch auf einer aussagekräftigen Projektbeschreibung und dem digitalen Scoring.
💡Tipp von Accountable: Für Kleinunternehmer:innen, die sich gut präsentieren können und realistische Summen benötigen, sind P2P-Kredite bzw. Crowdlending eine durchaus ernstzunehmende Variante – auch, um eine klassische Ablehnung durch Banken zu umgehen.
Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bietet verschiedene Förderkredite speziell für kleine Unternehmen und Gründer:innen. Ein Beispiel ist der KfW-Gründerkredit StartGeld, der Beträge bis 125.000 € abdeckt – ideal für Investitionen oder Betriebsmittel. Auch die Förderbanken der Bundesländer (z. B. LfA Bayern, NRW.BANK) bieten vergleichbare Programme.
💡Hinweis von Accountable: Die Beantragung läuft fast immer über die Hausbank, die die Einschätzung vornimmt und die Durchleitung übernimmt. Ohne gute Vorbereitung geht hier wenig – aber bei Erfolg sind die Konditionen meist sehr günstig.
Ein Kontokorrentkredit ist ein Überziehungsrahmen auf dem Geschäftskonto – praktisch für kurzfristige Engpässe. Die Zinsen sind höher als bei Ratenkrediten, dafür ist die Verfügbarkeit sehr flexibel. Voraussetzung: Eine stabile Kontoführung und gute Bonität.
Viele Banken vergeben diesen Rahmen nur nach längerer Zusammenarbeit oder erst ab einem gewissen Umsatzniveau. Für Kleinunternehmer:innen mit wechselndem Cashflow zwar durchaus interessant, sollte aber – nicht zuletzt wegen der hohen Zinsen – nur ein absoluter Notnagel sein.
Für konkrete Anschaffungen – z. B. ein Fahrzeug, neue Technik oder eine Büroausstattung – kommt ein klassischer Ratenkredit infrage. Der Vorteil: feste monatliche Raten, klare Laufzeit, vergleichsweise einfacher Abschluss.
Diese Kredite lassen sich sowohl über Geschäftsbanken als auch über Vergleichsportale abschließen. Wichtig: Auch hier prüft die Bank die Bonität – oft reicht die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als Nachweis.
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Gerade im Handel oder bei Dienstleistungen mit Materialeinsatz lohnt es sich, mit Lieferanten über verlängerte Zahlungsziele zu sprechen. Lieferantenkredite sind zwar keine klassischen Bankdarlehen – aber in der Praxis eine sehr effektive Form der Liquiditätssicherung. Voraussetzung ist Vertrauen und eine gute Geschäftsbeziehung.
Nicht zuletzt gibt es auch die Möglichkeit, sich im privaten Umfeld Geld zu leihen – z. B. von Familie oder Freund:innen. Das kann sinnvoll sein, wenn es Vertrauen gibt und keine strengen Bankauflagen im Weg stehen. Wichtig ist: auch private Darlehen sollten schriftlich festgehalten werden – samt Rückzahlungsmodalitäten, Zinshöhe (falls vorhanden) und Laufzeit.
💡Tipp: Mit dem kostenloses Geschäftskonto von Accountable hast du nicht nur deine Steuern sondern auch deine Finanzen immer Griff. Erfahre mehr über Accountable Banking.
Egal ob du 3.000 € für neue Technik brauchst oder 20.000 € für die nächste Wachstumsphase – ein guter Kreditantrag entscheidet oft darüber, ob dein Vorhaben ernst genommen wird. Mit den richtigen Unterlagen, klaren Zahlen und einem durchdachten Vorgehen kannst du auch als Kleinunternehmer:in überzeugen – selbst dann, wenn deine Firma noch jung ist.
Bevor du überhaupt an eine Kreditanfrage denkst, solltest du dir selbst folgende Fragen beantworten:
Kreditgeber:innen merken schnell, ob du dir über diese Fragen Gedanken gemacht hast – oder einfach nur „irgendwas zwischen 5.000 und 10.000 €“ anfragst.
Erstelle eine übersichtliche Prognose, idealerweise auf Monatsbasis – mit den wichtigsten Einnahmequellen, Fixkosten und geplanten Ausgaben. Das zeigt:
Nutze dazu einfache Tools wie Excel, sevDesk, lexoffice oder Tabellen vom Steuerbüro.
Sorge dafür, dass deine Unterlagen vollständig und gut sortiert sind. Dazu gehören je nach Situation:
💡 Tipp von Accountable: Wenn du schon auf eine bestimmte Bank oder Plattform setzt, schau dir vorher an, was dort genau gefordert wird – das spart Rückfragen und Zeit.
Auch wenn du dein Konto nur online führst – für Förderkredite oder komplexere Vorhaben ist ein:e persönliche:r Ansprechpartner:in hilfreich. Vereinbare frühzeitig einen Gesprächstermin bei deiner Hausbank oder nimm Kontakt zur zuständigen Förderstelle auf. Viele bieten Beratung oder sogar Hilfe beim Antrag an (z. B. IHK, Handwerkskammer, Mikrofinanzinstitute).
Nicht jeder Antrag wird bewilligt – und nicht jeder Kredit ist sinnvoll. Manchmal ist ein Mix aus Erspartem, Ratenkredit und Fördermittel besser als ein großes Darlehen mit unklarer Rückzahlung. Überlege auch:
„Auch wenn vieles digital läuft: Am Ende zählt auch bei der Bank oft der persönliche Eindruck. Wer seine Unterlagen ordentlich vorbereitet, professionell auftritt und seine Zahlen im Griff hat, sammelt Pluspunkte. Unsicherheit, Unvollständigkeit oder Widersprüche in der Selbstauskunft sind häufige Gründe für Ablehnungen.“
- Markus Boldt, Steuerberater
Eine Kreditablehnung kann erst mal frustrierend sein – besonders, wenn man viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt hat. Aber: Eine Absage ist nicht das Ende der Finanzierungsmöglichkeiten. Wichtig ist, die Gründe zu verstehen, systematisch nachzubessern und offen für Alternativen zu bleiben.
Frage aktiv nach, warum der Antrag abgelehnt wurde. Häufige Gründe sind:
💡Tipp von Accountable: Je besser du den Grund kennst, desto gezielter kannst du gegensteuern. Viele Kreditplattformen haben unterschiedliche Kriterien – eine Absage heißt nicht das Ende.
Du musst nicht alles allein machen. Gerade bei Ablehnungen lohnt es sich, eine externe Perspektive einzuholen – zum Beispiel durch:
Diese Stellen helfen dir, deinen Plan realistisch zu bewerten und professionell aufzubereiten.
Nutze das Feedback aus der Ablehnung, um:
Wenn ein klassischer Kredit nicht infrage kommt, denk offen über Alternativen nach:
💡Tipp von Accountable: Gerade bei Peer-to-Peer-Plattformen oder Mikrofinanzierungen zählen oft andere Bewertungskriterien als bei (Groß-)Banken.
➡️ Crowdfunding und Steuern: Diese Regeln musst du beachten
Ein Kredit kann für Kleinunternehmer:innen ein wichtiger Schritt sein – ob zur Gründung oder zum Ausbau des Geschäfts. Aber gerade im Kleinunternehmerbereich gilt: Eine gute Vorbereitung entscheidet oft mehr als die eigentliche Kreditsumme.
Wer seinen Finanzbedarf realistisch einschätzt, Unterlagen ordentlich aufbereitet und das eigene Geschäftsmodell überzeugend darstellen kann, verbessert seine Chancen deutlich – auch ohne große Sicherheiten oder langjährige Historie.
Wenn du über eine Finanzierung nachdenkst, hilft dir dieser Weg:
Im Accountable-Blog findest du viele weitere Beiträge, die dich auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten – zum Beispiel rund um Businessplanung, Fördermöglichkeiten, Buchhaltung oder steuerliche Pflichten. So kannst du nicht nur die passende Finanzierung finden, sondern dein Unternehmen von Anfang an sicher und strukturiert aufbauen.
➡️ Warum du ein separates Geschäftskonto eröffnen solltest
1. Kann ich als Kleinunternehmer:in überhaupt einen Kredit bekommen?
Ja, grundsätzlich schon – aber es kann schwieriger sein als bei Angestellten oder großen Firmen. Ohne Sicherheiten und stabile Einkünfte verlangen Banken oft mehr Nachweise. Alternativen wie Mikrokredite, P2P-Plattformen oder Förderdarlehen bieten hier bessere Chancen.
2. Was sind Mikrokredite – und wie unterscheiden sie sich von normalen Bankkrediten?
Mikrokredite richten sich speziell an kleine Unternehmen ohne große Rücklagen. Sie werden oft über Mikrofinanzinstitute vergeben, sind einfacher zugänglich und an Beratungen geknüpft. Die Kreditsummen sind meist niedriger, dafür sind die Bewilligungskriterien praxisnäher.
3. Was muss ich bei der Vorbereitung eines Kreditantrags beachten?
Wichtig sind vollständige und gut strukturierte Unterlagen (z. B. Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Kontoauszüge, Businessplan). Zeige, wofür du das Geld brauchst und wie du es zurückzahlen willst. Realistische Zahlen und ein klarer Finanzplan sind entscheidend.
4. Was kann ich tun, wenn mein Kreditantrag abgelehnt wurde?
Lass dich nicht entmutigen. Hol dir Feedback zur Ablehnung, überarbeite deine Unterlagen und prüfe alternative Finanzierungswege – etwa über P2P-Plattformen oder Förderprogramme. Eine Beratung (z. B. IHK, Steuerbüro) kann dir helfen, deine Chancen zu verbessern.
5. Gibt es auch Fördermittel oder Zuschüsse für Kleinunternehmer:innen?
Ja, neben Krediten gibt es auch Förderprogramme mit Zuschüssen – etwa von der KfW, Landesförderbanken oder der BAFA. Diese müssen meist über eine Bank oder Förderstelle beantragt werden. Eine gründliche Recherche und Beratung lohnt sich!
20 Kapitel knallhart recherchiert und vom Steuerprofi geprüft
Kostenlos herunterladenAutor - Sophia Merzbach
Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.
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