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Wenn du dich als Kleinunternehmer:in selbstständig machst, profitierst du bei der Umsatzsteuer von vereinfachten Regeln. Ganz ohne steuerliche Pflichten geht es aber trotzdem nicht.
In diesem Artikel erfährst du, welche Steuern für Kleinunternehmer:innen relevant sind, wie die Kleinunternehmerregelung funktioniert und worauf du bei Rechnungen, Buchhaltung und Steuererklärungen achten solltest. Seit dem 1. Januar 2025 gelten dafür neue Umsatzgrenzen.
Kleinunternehmer und Steuern – kurz zusammengefasst
Die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer, nicht die gesamte Steuerpflicht.
Für Kleinunternehmer:innen können trotzdem Einkommensteuer, Gewerbesteuer und bei Beschäftigten auch Lohnsteuer anfallen.
Aktuell gelten für die Kleinunternehmerregelung 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr.
Wird die 100.000-Euro-Grenze im laufenden Jahr überschritten, endet die Regelung sofort ab diesem Umsatz.
Was bedeutet die Kleinunternehmerregelung in steuerlicher Hinsicht?
Die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG ist eine Vereinfachung bei derUmsatzsteuer. Wenn du sie nutzt, stellst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus und führst auch keine Umsatzsteuer an das Finanzamt ab. Gleichzeitig darfst du aber keine Vorsteuer aus Eingangsrechnungen abziehen.
Das ist oft praktisch, wenn du überwiegend an Privatkund:innen verkaufst und nur geringe Investitionen hast. Arbeitest du dagegen viel mit Unternehmen oder planst größere Anschaffungen, kann die Regelbesteuerung wirtschaftlich sinnvoller sein.
Welche Voraussetzungen gelten für die Kleinunternehmerregelung?
Aktuell gilt: Du kannst die Kleinunternehmerregelung nutzen, wenn dein Gesamtumsatz im Vorjahr nicht über 25.000 Euro lag und im laufenden Kalenderjahr100.000 Euro nicht überschreitet. Diese Grenzen gelten seit 2025.
Wichtig ist der Unterschied zwischen beiden Grenzen. Wenn du im Vorjahr über 25.000 Euro lagst, bist du ab dem folgenden Kalenderjahr nicht mehr Kleinunternehmer:in. Wenn du aber im laufenden Jahr die 100.000 Euro überschreitest, endet die Kleinunternehmerregelung sofort mit dem Umsatz, durch den die Grenze überschritten wird.
Beispiel: Was passiert bei 102.000 Euro Umsatz?
Angenommen, du bist noch Kleinunternehmer:in und kommst im Oktober über 100.000 Euro Umsatz. Dann sind die Umsätze bis zur Überschreitung noch unter der Kleinunternehmerregelung erfasst. Der Umsatz, mit dem du die Grenze überschreitest, und die folgenden Umsätze sind dann umsatzsteuerpflichtig.
💡 Tipp: Wenn du dich als selbstständig beim Finanzamt registrierst, z.B. über unseren kostenlosen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, kannst du direkt angeben, dass du von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen willst. Es ist also ganz einfach, diese Regelung zu beantragen.
Video: Kleinunternehmerregelung einfach erklärt
Neue Umsatzgrenzen, neue Pflichten und erstmals EU-weit nutzbar: 2025 gab es große Änderungen bei der Kleinunternehmerregelung. Im Video erklären wir dir ganz genau, was hinter der Regelung steckt, welche Vorteile sie dir bringt – und worauf du unbedingt achten musst.
Welche Steuern muss ich als Kleinunternehmer zahlen?
Auch als Kleinunternehmer:in bist du nicht steuerfrei. Die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer. Relevant sind vor allem Einkommensteuer, Gewerbesteuer, in manchen Fällen Umsatzsteuer und bei Mitarbeiter:innen zusätzlich Lohnsteuer.
Musst du als Kleinunternehmer Einkommensteuer zahlen?
Ja. Dein Gewinn aus der Selbstständigkeit unterliegt grundsätzlich der Einkommensteuer. Gewinn bedeutet: Einnahmen minus Betriebsausgaben.
Für 2026 liegt der Grundfreibetrag bei 12.348 Euro. Erst oberhalb dieses Betrags fällt Einkommensteuer an. Für 2025 lag er bei 12.096 Euro.
Wichtig ist aber: Auch wenn du unter dem Grundfreibetrag bleibst, kann eine Steuererklärung trotzdem nötig sein. Das gilt besonders, wenn du neben deiner Selbstständigkeit noch Arbeitslohn beziehst oder das Finanzamt dich zur Abgabe auffordert.
Musst du als Kleinunternehmer Gewerbesteuer zahlen?
Das hängt davon ab, ob du freiberuflich oder gewerblich tätig bist. Freiberufler:innen zahlen keine Gewerbesteuer. Gewerbetreibende dagegen grundsätzlich schon – allerdings greift für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ein Freibetrag von 24.500 Euro Gewinn pro Jahr.
Du kannst also gewerblich tätig und trotzdem Kleinunternehmer:in sein. Kleinunternehmerregelung und Gewerbesteuer sind zwei verschiedene Themen.
Musst du als Kleinunternehmer Umsatzsteuer zahlen?
Normalerweise nein, solange du die Kleinunternehmerregelung wirksam anwendest. Dann weist du auf deinen Rechnungen keine Umsatzsteuer aus. Sobald du die Grenzen überschreitest oder freiwillig auf die Regelung verzichtest, wechselst du in die Regelbesteuerung. Dann musst du auf deine steuerpflichtigen Leistungen Umsatzsteuer berechnen.
Wann wird Lohnsteuer relevant?
Lohnsteuer betrifft dich nur, wenn du Mitarbeiter:innen beschäftigst. Dann bist du als Arbeitgeber:in verpflichtet, die Lohnsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Arbeitest du allein, ist die Lohnsteuer für dich selbst nicht relevant.
Wie funktioniert die Buchführung als Kleinunternehmer?
Die meisten Kleinunternehmer:innen ermitteln ihren Gewinn über die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz EÜR. Dabei stellst du deine betrieblichen Einnahmen und betrieblichen Ausgaben gegenüber. Das Verfahren ist einfacher als eine Bilanz und für viele Solo-Selbstständige der Standard.
Auch ohne Umsatzsteuer musst du deine Buchhaltung sauber führen. Du solltest Rechnungen, Belege und Zahlungen vollständig dokumentieren und geordnet aufbewahren. Gerade wenn du die Umsatzgrenzen im Blick behalten musst, ist eine laufende Buchhaltung besonders wichtig.
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Welche Steuererklärungen sind für Kleinunternehmer wichtig?
In der Praxis sind für Kleinunternehmer:innen vor allem diese Erklärungen relevant:
Einkommensteuererklärung
Anlage EÜR, wenn du deinen Gewinn per EÜR ermittelst
Gewerbesteuererklärung, wenn du gewerblich tätig bist und sie erforderlich ist
Ob zusätzlich eine Umsatzsteuererklärung nötig ist, hängt vom Einzelfall ab. Für einen allgemeinen Ratgeber ist die sicherste Aussage: Kleinunternehmer:innen haben bei der Umsatzsteuer weniger Pflichten, sollten aber prüfen, ob das Finanzamt im konkreten Fall weitere Angaben verlangt.
Welche Fristen musst du beachten?
Die reguläre Abgabefrist für Steuererklärungen endet grundsätzlich am 31. Juli des Folgejahres. Das ergibt sich aus § 149 Abs. 2 AO.
💡 Tipp: Gerade am Anfang hilft es, feste Routinen einzubauen. Belege monatlich sortieren, Rücklagen bilden und Umsätze laufend prüfen spart dir später viel Stress. Einen guten Überblick gibt dir unsere Buchhaltungsscheckliste.
Was gilt nebenberuflich für Kleinunternehmer?
Viele starten zunächst nebenberuflich. Steuerlich gelten dabei grundsätzlich dieselben Regeln wie bei einer hauptberuflichen Selbstständigkeit. Auch als nebenberuflich tätige:r Selbstständige:r musst du deine Einnahmen in der Einkommensteuer angeben und die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung beachten.
Der Unterschied liegt oft eher bei der Sozialversicherung als bei den Steuern. Wenn du angestellt bist, bleibst du häufig über deinen Hauptjob versichert. Trotzdem kann die zusätzliche Selbstständigkeit deine gesamte Einkommensteuerbelastung erhöhen, weil dein Gesamteinkommen steigt.
Beispiel
Valerie arbeitet angestellt im Verkauf und verkauft nebenbei handgefertigte Hüte online. Ihr Umsatz liegt im ersten Jahr bei 14.000 Euro. Damit bleibt sie innerhalb der aktuellen Grenzen der Kleinunternehmerregelung und stellt ihre Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus. Gewerbesteuer fällt nicht an, wenn ihr Gewinn unter 24.500 Euro bleibt. Einkommensteuer kann aber trotzdem anfallen, weil ihr Gehalt und ihr Gewinn zusammen betrachtet werden.
Wie schreibst du als Kleinunternehmer rechtssichere Rechnungen?
Als Kleinunternehmer:in darfst du keine Umsatzsteuer offen ausweisen. Stattdessen gehört ein Hinweis auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung auf die Rechnung, zum Beispiel: „Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“
Außerdem müssen die üblichen Pflichtangaben enthalten sein, zum Beispiel:
dein vollständiger Name und deine Anschrift
Name und Anschrift deiner Kundin oder deines Kunden
Welche Vor- und Nachteile hat die Kleinunternehmerregelung?
Der größte Vorteil der Kleinunternehmerregelung ist die Vereinfachung. Du musst in vielen Fällen keine Umsatzsteuer ausweisen und sparst dadurch Verwaltungsaufwand. Gerade für Gründer:innen und nebenberuflich Selbstständige ist das oft ein guter Einstieg.
Der größte Nachteil ist der fehlende Vorsteuerabzug. Kaufst du zum Beispiel einen Laptop, Software oder Arbeitsmaterialien, bekommst du die darin enthaltene Umsatzsteuer nicht zurück. Bei geringen Kosten ist das oft verkraftbar. Bei größeren Investitionen kann das aber ein echter Nachteil sein.
Beispiel: Was bedeutet fehlender Vorsteuerabzug?
Kaufst du einen Laptop für 1.190 Euro brutto, stecken darin 190 Euro Umsatzsteuer. Als Kleinunternehmer:in bleibt dieser Betrag bei dir als Kosten hängen. In der Regelbesteuerung könntest du diese Umsatzsteuer unter den Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs geltend machen.
Wann lohnt sich der Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung?
Du kannst freiwillig auf die Kleinunternehmerregelung verzichten und zur Regelbesteuerung wechseln. Der Verzicht bindet dich laut § 19 UStG mindestens fünf Kalenderjahre.
Das lohnt sich oft, wenn du hohe Anfangsinvestitionen hast, viel mit Geschäftskund:innen arbeitest oder regelmäßig Vorsteuer aus Eingangsrechnungen ziehen möchtest.
„Wenn du ein Laptop für dein Unternehmen kaufst und darauf 19 % Umsatzsteuer zahlst, kannst du diese 19 % nicht als Vorsteuer vom Finanzamt zurückfordern. Im Vergleich dazu würden Unternehmer mit Regelbesteuerung die gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt erstattet bekommen. Deshalb lohnt sich die Kleinunternehmerregelung besonders für Selbstständige mit eher geringen Investitionen und Kosten.“
Was passiert, wenn du die Umsatzgrenzen überschreitest?
Überschreitest du die 25.000-Euro-Grenze im Vorjahr, wechselst du im nächsten Jahr aus der Kleinunternehmerregelung heraus. Überschreitest du im laufenden Jahr die 100.000-Euro-Grenze, endet die Regelung sofort. Genau deshalb solltest du deine Umsätze regelmäßig kontrollieren.
Ein digitales Tool oder eine saubere laufende Buchhaltung hilft dir dabei, solche Schwellen frühzeitig zu erkennen. Sonst kann es passieren, dass du Rechnungen nachträglich korrigieren musst.
Welche Sozialabgaben kommen zusätzlich auf dich zu?
Die Kleinunternehmerregelung betrifft nur die Umsatzsteuer. Krankenversicherung, Pflegeversicherung, eventuell Rentenversicherung und andere Sozialabgaben laufen davon getrennt. Gerade bei hauptberuflicher Selbstständigkeit solltest du diese Kosten von Anfang an mit einplanen.
Wenn du nebenberuflich selbstständig bist, bleibst du oft über deinen Hauptjob abgesichert. Trotzdem lohnt sich ein früher Check bei deiner Krankenkasse.
Fazit: Welche Steuern zahlt ein Kleinunternehmer?
Als Kleinunternehmer:in zahlst du nicht automatisch weniger Steuern insgesamt, aber du hast meist weniger Aufwand bei der Umsatzsteuer. Relevant sind vor allem Einkommensteuer, unter Umständen Gewerbesteuer und bei Beschäftigten auch Lohnsteuer. Die Kleinunternehmerregelung selbst befreit dich nur davon, Umsatzsteuer auszuweisen und abzuführen.
Aktuell gilt: Bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro Umsatz im laufenden Jahr kannst du die Kleinunternehmerregelung nutzen. Wird die 100.000-Euro-Grenze überschritten, endet sie sofort. Das ist einer der wichtigsten Punkte für die laufende Praxis.
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Häufige Fragen (FAQ) zu Steuern für Kleinunternehmer
Welche Steuern muss ich als Kleinunternehmer:in zahlen?
In der Regel zahlst du Einkommensteuer auf deinen Gewinn. Je nach Tätigkeit kann außerdem Gewerbesteuer anfallen. Umsatzsteuer fällt nur an, wenn du nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst oder freiwillig zur Regelbesteuerung wechselst.
Wie viel darf ich als Kleinunternehmer:in verdienen?
Für die Kleinunternehmerregelung kommt es auf den Umsatz, nicht auf den Gewinn, an. Aktuell gelten 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr. Für die Einkommensteuer ist zusätzlich der Grundfreibetrag wichtig, der 2026 bei 12.348 Euro liegt.
Muss ich als Kleinunternehmer:in eine Steuererklärung abgeben?
In vielen Fällen ja. Besonders wichtig sind die Einkommensteuererklärung und oft auch die Anlage EÜR. Welche weiteren Erklärungen nötig sind, hängt von deiner Tätigkeit und deinem Einzelfall ab.
Wie schreibe ich als Kleinunternehmer:in eine Rechnung ohne Umsatzsteuer?
Du stellst die Rechnung ohne Umsatzsteuer aus und ergänzt einen Hinweis wie: „Gemäß § 19 UStG wird keine Umsatzsteuer berechnet.“ Zusätzlich müssen die üblichen Pflichtangaben auf der Rechnung stehen.
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11.05.2024
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09.04.2026
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