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Welche Tätigkeiten gelten als freiberuflich? Beispiele und Voraussetzungen

Geschrieben von: Tino Keller

Aktualisiert am: Oktober 9, 2026

Lesezeit: 6 Minuten

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Freiberufliche Tätigkeiten sind in Deutschland gesetzlich definiert. Dazu gehören beispielsweise wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische Tätigkeiten sowie bestimmte Berufe wie Ärzt:innen, Rechtsanwält:innen, Journalist:innen und Architekt:innen.

Ob du als Freiberufler:in giltst, hängt von deiner konkreten Tätigkeit und den gesetzlichen Voraussetzungen ab. In diesem Artikel erfährst du, welche Berufe und Tätigkeiten als freiberuflich gelten, welche Voraussetzungen du erfüllen musst und wie du deine Tätigkeit beim Finanzamt einordnen lässt.

Selbständig arbeiten als Freiberufler:in – kurz zusammengefasst

  • Freiberufler:innen erbringen Dienstleistungen auf Basis persönlicher Qualifikation. 
  • Die Einordnung erfolgt nach § 18 EStG (Katalogberufe und ähnliche Tätigkeiten).
  • Freiberufler:innen zahlen keine Gewerbesteuer und haben meist weniger Bürokratie.
  • Die richtige Einordnung ist entscheidend, um Nachzahlungen oder Probleme mit dem Finanzamt zu vermeiden.

Freiberufler:in vs. Freelancer vs. Gewerbetreibende:r 

Selbstständig“ ist der Oberbegriff, der vom Gesetzgeber in Freiberufler:innen und Gewerbetreibende unterteilt wird. Ein:e Selbstständige:r ist eine Person, die ihre Tätigkeit unabhängig von einem Arbeitgeber ausführt. Weiterhin sind das eigene Unternehmerrisiko, das fehlende Unterliegen eines Direktionsrechts, das Vorhandensein einer eigenen Betriebsstätte sowie die Verfügungsgewalt über die eigene Arbeitskraft, Tätigkeit und Zeit ausschlaggebend. Mit Blick auf freie Berufe und Gewerbe  gelten besondere Bestimmungen. Neben diesen beiden Formen taucht im Alltag häufig auch der Begriff „Freelancer“ auf, der jedoch nicht klar gesetzlich definiert ist.

Freiberufler:in

Die Einordnung freiberuflicher Tätigkeiten erfolgt steuerlich nach § 18 Einkommensteuergesetz (EStG). Eine allgemeine Beschreibung freier Berufe findet sich außerdem im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (PartGG). Dort heißt es:

„Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt“. 

Vereinfacht lassen sich daraus zwei wichtige Eigenschaften freiberuflicher Tätigkeiten ableiten:

  • Freiberufler:innen bieten eine Dienstleistung an und verkaufen keine Waren oder Produkte.
  • Sie üben ihren Beruf mit Blick auf ihre persönlichen Fachkenntnisse, z.B. durch ein Studium oder eine Ausbildung, leitend und eigenverantwortlich aus.  

➡️ 10 ungewöhnliche Nischen-Jobs für Freiberufler

Gewerbetreibende

Gewerbetreibende sind Selbstständige, die eine gewerbliche Tätigkeit ausüben. Diese liegt vor, wenn eine nachhaltige, selbstständige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeführt wird, die nicht als freiberuflich gilt (§ 15 EStG). Ein Gewerbe musst du daher nicht nur beim Verkauf von Waren anmelden, sondern auch bei vielen Dienstleistungen – insbesondere dann, wenn sie stärker organisatorisch, wirtschaftlich oder skalierbar ausgerichtet sind. 

➡️ Kann ich Freiberufler und Gewerbetreibender gleichzeitig sein?

Freelancer:in

„Freelancer“ ist ein nicht offiziell definierter Begriff. Häufig werden damit Selbstständige beschrieben, die keinem der Katalogberufe zugeordnet werden können. Was genau die Katalogberufe sind, wird im nächsten Abschnitt erklärt. Weiterhin arbeiten Freelancer:innen häufig projektbezogen bei Unternehmen und sind dort für einen gewissen Zeitraum wie freie Mitarbeiter:innen „eingestellt“. Typisch ist dabei eine flexible Zusammenarbeit ohne feste Anstellung. Beliebte Berufe, die von Freelancer:innen ausgeübt werden, sind Programmieren, Editieren oder Social-Media-Management.

➡️ Freelancer, Freiberufler oder freie Mitarbeitender – Diese Unterschiede solltest du kennen

Was gilt als freiberufliche Tätigkeit?

Wer genau als Freiberufler:in anerkannt wird, ist in § 18 EStG festgelegt. Dies kann eine gute Grundlage für dich sein, um zu überprüfen, ob deine selbstständige Tätigkeit als freiberufliche Tätigkeit vom Finanzamt anerkannt wird, oder ob es sich doch um eine gewerbliche Tätigkeit handelt.

Als Freiberufler:in übst du einen sogenannten Katalogberuf bzw. einen katalogähnlichen Beruf aus. 

  • Katalogberufe sind spezifisch im Einkommensteuergesetz gelistet. 
  • Katalogähnliche Berufe erfordern eine vergleichbare Qualifikation und Tätigkeit und können ebenfalls als freiberuflich anerkannt werden, auch wenn sie nicht explizit genannt sind.

Zu freiberuflichen Tätigkeiten gehören selbständig ausgeübte Tätigkeiten, die in den wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Bereich fallen. 

Wir haben dir hier einige Beispiele aufgelistet, damit du dir einen ersten Überblick über Jobs verschaffen kannst die Freiberufler:innen klassischerweise ausüben:

  • Heilberufe wie: Ärzt:innen, Zahnärzt:innen, Tierärzt:innen, Heilpraktiker:innen, Krankengymnast:innen.
  • Rechts- und wirtschaftsberatende Berufe: beratende Volks- und Betriebswirt:innen, vereidigte Buch- und Wirtschaftsprüfer:innen, Steuerbevollmächtigte, Rechts- und Patentanwält:innen, Notar:innen, Steuerberater:innen.
  • Technisch-wissenschaftliche Berufe: Handelschemiker:innen, Lotse:innen, Ingenieur:innen, Architekt:innen.
  • Medien- und Sprachberufe: Dolmetscher:innen, Übersetzer:innen, Journalist:innen, Bildberichterstatter:innen. 

💡 Tipp von Accountable: Wenn du dir unsicher bist, wie deine Tätigkeit einzuordnen ist, dann solltest du dich vor der Anmeldung deiner freiberuflichen Tätigkeitlieber ans Finanzamt wenden, um eventuelle Steuernachzahlungen bei falscher Anmeldung zu vermeiden.

“Am Ende entscheidet immer das Finanzamt, ob eine Ausgabe anerkannt wird oder wie deine Tätigkeit steuerlich einzuordnen ist. Das bekommst du spätestens per Brief mit deiner Steuernummer mitgeteilt.”

Sophia Merzbach - Steuer Coach, Autorin, Content Marketing Managerin

Sophia Author

Schwierige Abgrenzung: Freiberufliche Tätigkeit oder nicht?

Ab und zu ist es nicht ganz einfach, den eigenen Beruf endgültig als freiberuflich oder nicht einzuordnen. Wie schwierig es sein kann eine Unterscheidung vorzunehmen, lässt sich gut am Beispiel des Berufs eines Fotografen bzw. einer Fotografin zeigen: 

Wenn du als Fotograf:in auf Hochzeiten arbeitest, Porträts oder Passbilder, aber auch Werbefotos für Unternehmen produzierst, wird das in der Regel als Gewerbe angesehen. Der Grund: Die Arbeit erfolgt in der Regel im Auftrag und nach den konkreten Vorgaben der Kund:innen.

Bist du jedoch künstlerisch tätig, zum Beispiel als Bildjournalist:in oder in der freien Fotografie, kann deine Tätigkeit als freiberuflich gelten. Entscheidend ist dabei, dass eine eigene schöpferische Leistung im Vordergrund steht und nicht die rein handwerkliche Umsetzung eines Auftrags.

💡 Tipp von Accountable: Mehr Informationen dazu findest du auch in unseren Artikel zu Selbständigkeit anmelden: Freiberufler oder Gewerbe? 

Voraussetzungen für den Start in die Selbständigkeit als Freiberufler:in

Bevor du deiner Tätigkeit als Freiberufler:in offiziell nachgehen kannst, gibt es ein paar formale Schritte, die du erledigen musst. Anders als Gewerbetreibende musst du zwar kein Gewerbe anmelden, aber du bist trotzdem verpflichtet, deine freiberufliche Tätigkeit dem Finanzamt zu melden.

1. Anmeldung beim Finanzamt

Der erste Schritt ist der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den du online über ELSTER ausfüllen und ans Finanzamt übermitteln musst. In diesem Formular machst du unter anderem Angaben zu:

  • Deiner Tätigkeit
  • Deiner voraussichtlichen Umsatz- und Gewinnhöhe
  • Deiner Bankverbindung und Steuernummer
  • Sowie zur Frage, ob du die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG in Anspruch nehmen willst.

💡 Tipp von Accountable: Wenn du unsicher bist, ob deine Tätigkeit wirklich als freiberuflich gilt, kannst du mit unserem Test herausfinden, ob deine Tätigkeit eher freiberuflich oder gewerblich ist.

2. Steuerliche Pflichten kennen

Sobald du die Bestätigung vom Finanzamt erhältst, bist du offiziell als Freiberufler:in tätig. Ab dann musst du unter anderem:

  • Rechnungen mit Steuernummer ausstellen
  • Deine Einnahmen und Ausgaben dokumentieren (z. B. über eine EÜR)
  • Gegebenenfalls Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben

➡️ 8 Tipps, damit du als Freiberufler beim Thema Steuern besser durchsiehst

3. Krankenversicherung & Altersvorsorge

Als Freiberufler:in musst du dich normalerweise eigenständig um deine Krankenversicherung und Altersvorsorge kümmern – gesetzlich oder privat. Je nach Tätigkeit könntest du jedoch verpflichtet sein, dich zu versichern, beispielsweise über die Künstlersozialkasse oder ein berufsständisches Versorgungswerk. Informiere dich deswegen bestenfalls bereits im Vorhinein über deine Optionen und Verpflichtungen in Bezug auf die Krankenversicherung und die Altersvorsorge.

Häufige Fehler beim Start in die Freiberuflichkeit

Der Start in die Selbstständigkeit bringt viele Fragen und typische Stolperfallen mit sich. Damit du einen möglichst reibungslosen Anfang hast, findest du hier eine Übersicht über die häufigsten Fehler und wie du sie umgehst:

1. Falsche Einordnung: freiberuflich oder gewerblich?

Wenn du selbstständig arbeitest, bist du nicht automatisch ein:e Freiberufler:in. Falls deine Tätigkeit nicht zu den Katalogberufen oder katalogähnlichen Berufen gehört, musst du unter Umständen ein Gewerbe anmelden. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die Gewerbesteuer. Kläre diese Frage im Zweifel mit dem Finanzamt.

2. Keine Rücklagen für Steuern gebildet

Ein besonders häufiger Fehler: Die ersten Einnahmen werden direkt reinvestiert oder zum Vergnügen ausgegeben, ohne daran zu denken, dass davon bald Einkommensteuer oder Umsatzsteuer ans Finanzamt gehen. Lege am besten von Anfang an mindestens 25 % deiner Einnahmen als Rücklagen zur Seite, damit du für anfallende Nachzahlungen ausreichend liquide bist.

3. Keine oder verspätete Buchhaltung

Gerade am Anfang ist Buchhaltung für viele ein überforderndes Thema, das nach hinten verschoben wird. Aber: Wenn du den Überblick verlierst, zahlst du am Ende drauf. Nutze einfache Buchhaltungs-Tools oder eine App wie Accountable, um Belege sofort zu digitalisieren und Einnahmen zu dokumentieren.

4. Unvollständige oder fehlerhafte Rechnungen

Als Freiberufler:in musst du deine Rechnungen nach gesetzlichen Vorgaben schreiben. Fehlende Angaben wie Steuernummer, Leistungszeitraum oder Umsatzsteuer können zu Problemen führen.
Aber keine Sorge: Wir haben für dich die wichtigsten Informationen zusammengestellt, wie du Rechnungen korrekt stellst.

5. Kein Businesskonto eingerichtet

Viele Selbstständige trennen private und berufliche Einnahmen nicht sauber. Ein eigenes Geschäftskonto hilft dir, einen besseren Überblick zu behalten und erleichtert dir später die Steuererklärung deutlich.

Fazit: Klarheit schaffen und gut vorbereitet starten

Der Weg in die Freiberuflichkeit bringt viele Vorteile mit sich – von mehr Flexibilität über geringere steuerliche Pflichten bis hin zu einem oft vereinfachten Verwaltungsaufwand. Gleichzeitig ist es wichtig, sich im Vorfeld intensiv mit der eigenen Tätigkeit auseinanderzusetzen und zu prüfen, ob sie tatsächlich unter die freiberuflichen Berufe fällt. 

Wer sauber startet, typische Fehler wie fehlende Rücklagen oder eine unklare Abgrenzung vermeidet und sich frühzeitig über Versicherungen und Steuerpflichten informiert, schafft die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Tools steht deinem Start als Freiberufler:in nichts mehr im Weg.

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FAQs: Selbständig als Freiberufler

Was ist der Unterschied zwischen Freiberufler:innen und Selbständigen?

Selbständig ist der Oberbegriff für Personen, die auf eigene Rechnung arbeiten – also ohne Arbeitgeber:in. Freiberufler:innen sind eine spezielle Gruppe innerhalb der Selbständigen, deren Tätigkeit in § 18 EStG definiert ist. Nicht alle Selbstständigen sind Freiberufler:innen. Gewerbetreibende gehören auch dazu.

Muss ich als Freiberufler ein Gewerbe anmelden?

Wenn deine Tätigkeit vom Finanzamt als freiberuflich anerkannt wird, brauchst du kein Gewerbe anzumelden. Du meldest dich lediglich über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt an. Allgemein gilt, dass du wahrscheinlich Freiberufler:in bist, wenn du Dienstleistungen anbietest, und wahrscheinlich Gewerbetreibende:r, wenn du Waren herstellst oder verkaufst.

Muss ich als Freiberufler Umsatzsteuer zahlen?

Freiberufler:innen sind grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Es gibt jedoch Ausnahmen: Wenn du die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzt oder deine Tätigkeit unter eine gesetzliche Befreiung fällt (z. B. in bestimmten Bildungs- oder Heilberufen), musst du keine Umsatzsteuer berechnen.

Kann ich auch nebenberuflich freiberuflich sein?

Eine freiberufliche Tätigkeit kann auch nebenberuflich ausgeübt werden, zum Beispiel neben einem Angestelltenverhältnis. Wichtig ist, die Tätigkeit beim Finanzamt anzumelden und ggf. arbeitsvertragliche Regelungen zu beachten.

Kann ich als Freiberufler Mitarbeitende einstellen?

Als Freiberufler:in können grundsätzlich auch Mitarbeitende beschäftigt werden Aber: In vielen freiberuflichen Bereichen, insbesondere bei Tätigkeiten, die auf persönliche Qualifikationen und Expertise angewiesen sind (wie Ärzte, Anwälte oder Künstler), ist es häufig erforderlich, dass du als Freiberufler:in die Arbeit persönlich ausführst. Das bedeutet, dass die Zahl der Mitarbeitenden, die du anstellen kannst, in bestimmten Branchen begrenzt sein kann, da die persönliche Verantwortung und die fachliche Unabhängigkeit im Vordergrund stehen.

Was ist, wenn ich mehrere freiberufliche Tätigkeiten gleichzeitig ausübe?

Mehrere freiberufliche Tätigkeiten gleichzeitig sind erlaubt. Voraussetzung ist, dass jede Tätigkeit für sich die Kriterien einer freiberuflichen Tätigkeit erfüllt und dem Finanzamt entsprechend gemeldet wird.

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Autor:in - Tino Keller

Tino Keller ist der Mitbegründer von Accountable und möchte damit Steuern und Finanzen für Selbstständige revolutionieren.

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