Zu Beginn deiner Selbstständigkeit stehen viele Entscheidungen an. Dabei steht das Thema der Altersvorsorge nicht unbedingt an erster Stelle. Viele Selbstständige schieben das Thema allerdings so lange vor sich her, dass im Alter große finanzielle Nachteile entstehen können.
In diesem Artikel stellen wir dir deswegen die verschiedenen Optionen vor, die du als Gewerbetreibende:r oder Freiberufler:in hast, um deine Altersvorsorge aufzubauen.
Als Selbstständige:r musst du dich normalerweise komplett alleine um deine Altersvorsorge kümmern. Im Gegensatz zu Angestellten bist du in der Regel nicht automatisch in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Eine Option, die bestimmte Selbstständige haben, ist die Künstlersozialkasse. In dieser können selbstständig künstlerisch oder publizistisch Tätige Mitglied werden.
Außerdem gibt es eine Reihe von selbstständigen Berufen, die gesetzlich pflichtversichert sind. Dazu gehören z.B. Handwerker:innen, Hebammen und freiberufliche Lehrer:innen.
💡Tipp von Accountable: Hier findest du eine Übersicht über die Versicherungen, die für Selbstständige relevant sind.
Eine Möglichkeit, dich um deine Altersvorsorge zu kümmern, ist das freiwillige Einzahlen von Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung. Falls du schon vor deiner Selbstständigkeit als Angestellte:r in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert warst, lohnt es sich für dich möglicherweise weiter freiwillig hier einzuzahlen, um bestimmte Wartezeiten und Anwartschaften zu erfüllen.
So kannst du ggf. im Alter eine gesetzliche Rente erhalten. Es empfiehlt sich hier auf jeden Fall dich beraten zu lassen. Hierzu bietet die gesetzliche Rentenversicherung ein vielfältiges Beratungsangebot an, welches dir bei der Entscheidung helfen kann, ob die freiwillige Beitragszahlung in die gesetzliche Rentenkasse in deinem speziellen Fall sinnvoll ist.
Wichtig ist, dass du spätestens nach fünf Jahren beruflicher Selbstständigkeit einen Antrag bei der Rentenversicherung stellst, um in die gesetzliche Rentenversicherung einzutreten. Dadurch entsteht für dich eine Versicherungspflicht auf Antrag und diese Entscheidung kannst du, solange du selbstständig bist, nicht mehr rückgängig machen. Nach fünf Jahren sicherst du dir so einen Anspruch auf Altersrente und Hinterbliebenenschutz.
Du bist dann verpflichtet, jährliche Mindestbeiträge einzuzahlen. Der Mindestbeitrag beträgt zur Zeit monatlich 83,70 Euro und der Höchstbeitrag monatlich 1.311,30 Euro.
Die freiwilligen Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung werden steuerlich als Vorsorgeaufwendungen behandelt. Ab dem Steuerjahr 2024 beträgt der Höchstbeitrag dafür 27.565 Euro für Einzelpersonen und 55.130 Euro für verheiratete Paare. (Seid 2023 können Ausgaben für die Altersvorsorge vollständig in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Ursprünglich war diese Regelung erst ab 2025 vorgesehen).
💡Tipp von Accountable: Als Selbstständige:r gibt es außerdem viele andere Steuerfreibeträge, mit denen du leicht Steuern sparen kannst.
Die zweite Möglichkeit für Selbstständige ist die sogenannte „Rürup-Rente“, bezeichnet nach dem Ökonomen Bert Rürup, die steuerlich genauso gefördert wird, wie die freiwilligen Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung. Auch hier gelten die gleichen Höchstbeiträge wie in der gesetzlichen Rentenversicherung. Bei der Rürup-Rente handelt es sich um eine private Rentenversicherung. Dennoch wird die Rürup-Rente vom Staat besonders geschützt. So wird das in einer Rürup-Rente angesparte Kapital im Falle von Arbeitslosengeld II nicht angerechnet und ist auch vor einer Pfändung geschützt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Beiträge flexibel variieren und auch bei einem finanziellen Engpass ausgesetzt werden können.
Obwohl es sich bei Rürup um eine kapitalgedeckte private Rentenversicherung handelt, besteht zum Ablauf der Versicherung genauso wie bei der gesetzlichen Rente kein Kapitalwahlrecht. Die Rente kann nur als monatliche Auszahlung in Anspruch genommen werden. Ein weiterer Nachteil der Rürup-Rente, den sie mit der gesetzlichen Rente teilt, ist die nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet, dass du weitestgehend steuerfrei einzahlst, während du das Geld dann in der „Auszahl-Phase” versteuern musst. Die Rürup-Rente kann ebenfalls nicht gekündigt werden, es ist kein Rückkauf möglich und der Hinterbliebenenschutz ist oft nicht im Tarif eingebaut.
Eine weitere Möglichkeit der Altersvorsorge ist die Wahl einer privaten Rentenversicherung. Im Gegensatz zur gesetzlichen und zur Rürup-Rente hast du hier deutlich mehr Möglichkeiten hinsichtlich der vertraglichen Gestaltung. So bieten fast alle privaten Rentenversicherungen die Möglichkeit des Kapitalwahlrechts. Das bedeutet, dass du dir am Ende der Vertragslaufzeit den angesparten Betrag in einer Summe auszahlen lassen oder alternativ eine monatliche Rente erhalten kannst. Bei einigen Anbietern kannst du die beiden Varianten auch mischen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass du hinsichtlich der Anlage mehr Mitspracherecht hast. Je nach Risikoneigung kannst du einen größeren Anteil an Wertpapieren (z.B. einem Fonds) für deinen Vertrag auswählen und somit – im Vergleich zur gesetzlichen und zur Rürup-Rente – eine deutlich höhere Rendite erzielen. Mit der höheren Rendite geht natürlich auch ein höheres Risiko einher, was am Ende der Laufzeit zu einer geringeren Auszahlsumme führen kann. Dies hängt von der Laufzeit und dem gewählten Risikolevel ab.
In der Ansparphase hast du im Gegensatz zur gesetzlichen und zur Rürup-Rente keine steuerlichen Vorteile. Jedoch werden die privaten Rentenversicherungen in der Auszahlphase anders besteuert. Bei der privaten Rente kommt hier das sogenannte Halbeinkünfteverfahren zum Tragen. Dies bedeutet, dass du nur auf 50% des Gewinns Steuern zahlen musst. Wenn du z.B. in einem Vertrag insgesamt 50.000 Euro eingezahlt hast und eine Auszahlungssumme von 80.000 Euro zur Verfügung steht, dann beträgt dein Gewinn 30.000 Euro. Auf die Hälfte davon, also auf 15.000 Euro, musst du dann Steuern zahlen.
💡Tipp von Accountable: Eine Rentenversicherung ist nicht die einzige Versicherung, die für dich wichtig ist. Viele Versicherungen kannst du außerdem steuerlich absetzen.
Insgesamt stehen dir verschiedene Möglichkeiten der Altersvorsorge zur Verfügung – es gibt also keine Ausrede, dich nicht um deine Altersvorsorge zu kümmern. Als Selbstständige:r hast du außerdem die Möglichkeit, die für dich passendste Option zu finden und verschiedene Varianten zu kombinieren. Weil es sich hier um ein Thema handelt, dass von hoher Bedeutung für deinen Lebensstandard im Alter ist, kann es sich hier durchaus lohnen, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen.
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Autor - Tino Keller
Tino Keller ist der Mitbegründer von Accountable und möchte damit Steuern und Finanzen für Selbstständige revolutionieren.
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