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Ist eine Vier-Tage-Woche für Selbstständige eine sinnvolle Lösung?

Geschrieben von: Robert Jödicke

Aktualisiert am: Mai 19, 2026

Lesezeit: 6 Minuten

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Während die öffentliche Diskussion um die Vier-Tage-Woche noch immer kontrovers geführt wird, testen manche Unternehmen das Ganze bereits länger in der Praxis – mit recht eindeutigen Resultaten.

Auch für Selbstständige stellt sich die Frage, ob eine Vier-Tage-Woche für sie praktikabel ist. Schließlich bedeutet weniger Arbeitszeit potenziell auch weniger Einkommen – oder mehr Workload in der verbleibenden Zeit. Bei einer Selbstständigkeit ist die Vier-Tage-Woche deshalb nicht nur eine Frage der Arbeitszeit, sondern vor allem eine finanzielle und unternehmerische Entscheidung.

Vier-Tage-Woche für Selbstständige – kurz zusammengefasst

  • Eine Vier-Tage-Woche ist für Selbstständige vor allem eine Umsatz- und Gewinnfrage. 
  • Viele Fixkosten bleiben gleich, auch wenn du als Selbstständige:r weniger arbeitest. 
  • Entscheidend sind Stundensatz, Auslastung und Mindestumsatz. 
  • Ohne Planung kann eine Vier-Tage-Woche zu weniger Einkommen und mehr Stress führen. 

Diese drei Modelle der Vier-Tage-Woche gibt es

Ein freier Tag unter der Woche – für viele Angestellte ein Traum, für Selbstständige tatsächlich oft eine reale Option. Ob für mehr Zeit mit der Familie, zur Erholung oder für persönliche Projekte: Selbstständige können sich ihre Zeit in der Regel selbst einteilen. Wollen sie grundsätzlich nur vier Tage pro Woche arbeiten, kommen für sie hauptsächlich drei Modelle in Frage:

  • 100-100-100-Modell: Gleiches Arbeitsaufkommen, gleiche Wochenstunden, gleiches Einkommen – die gleiche Menge an Arbeit wird in weniger Tagen erledigt. 
  • 100-80-100-Modell: Gleiches Arbeitsaufkommen, reduzierte Wochenstunden, gleiches Einkommen – durch höhere Effizienz bleibt die Produktivität gleich. 
  • 80-80-80-Modell: Reduziertes Arbeitsaufkommen, reduzierte Wochenstunden, reduziertes Einkommen – die Gesamtarbeitszeit wird verringert, mit entsprechendem Einkommensverlust. 

Welches Modell für dich realistisch ist, hängt stark von deinem Geschäftsmodell ab. Wer nach Stunden abrechnet, landet häufig beim 80-80-80-Modell. Wer pauschal, projektbasiert oder mit skalierbaren Leistungen arbeitet, kann eher ein 100-80-100-Modell erreichen.

Vier-Tage-Woche: Pro und Contra

Werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile, die in der Diskussion um die Vier-Tage-Woche immer wieder auftauchen:

VorteileNachteile
Mehr Freizeit und bessere Work-Life-BalanceWeniger abrechenbare Stunden pro Woche
Gesteigerte Produktivität durch höhere FokussierungErhöhter organisatorischer Aufwand
Langfristig mehr Leistung durch bessere ErholungMögliche Akzeptanzprobleme bei Kunden
Flexible ZeiteinteilungStundensatz muss oft erhöht werden
Höhere ZufriedenheitRisiko von Arbeitsverdichtung

Für dich als Selbstständige:r kommt ein weiterer, entscheidender Punkt hinzu: Weniger Arbeitstage bedeuten nicht automatisch weniger Arbeit, sondern oft weniger abrechenbare Stunden.

Kleiner Exkurs: Studien bewerten eine verkürzte Arbeitswoche positiv. So untersuchte eine Studie der Universität Münster im Jahr 2024 die Auswirkungen der Vier-Tage-Woche in Deutschland. Es zeigte sich: Die Lebenszufriedenheit stieg, die Produktivität blieb gleich oder verbesserte sich leicht.

Für Selbstständige lässt sich daraus jedoch nur bedingt etwas ableiten. Denn während Angestellte weiterhin ihr Gehalt bekommen, hängt bei Selbstständigen das Einkommen direkt von Arbeitszeit, Stundensatz und Auslastung ab.

Kann ich mir die Vier-Tage-Woche leisten?

Die wichtigste Frage lautet daher nicht, ob du nur vier Tage arbeiten möchtest, sondern ob du es dir leisten kannst. Für Selbstständige ist die Vier-Tage-Woche nämlich keine reine Zeitfrage, sondern eine Umsatz- und Gewinnentscheidung.

Während Angestellte bei einer Arbeitszeitreduzierung einfach weniger Gehalt bekommen, ist die Rechnung bei Selbstständigen komplexer. Du musst nicht nur deinen Lebensunterhalt verdienen, sondern auch Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und Betriebsausgaben bezahlen. Viele dieser Kosten bleiben gleich, auch wenn du weniger arbeitest.

Deshalb solltest du dir vor der Umstellung vor allem drei Fragen stellen:

  • Wie viel Geld brauche ich monatlich zum Leben? 
  • Wie hoch sind meine Fixkosten
  • Wie viele Stunden pro Woche kann ich realistisch in Rechnung stellen? 

„Für Selbstständige ist die Vier-Tage-Woche keine Zeitfrage, sondern eine Rechenaufgabe.“

Tino Keller - Gründer, CMO & Geschäftsführer Deutschland

tino author

Das bedeutet: Du musst rund 5.500 Euro Gewinn pro Monat erwirtschaften. Wenn du statt fünf nur noch vier Tage arbeitest, musst du diesen Gewinn in weniger Zeit erreiche. Ergo müssen entweder dein Stundensatz oder deine Produktivität steigen – oder beides.

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Mindestumsatz berechnen: Diese Zahl ist entscheidend

Wenn du deine Arbeitszeit auf vier Tage pro Woche reduzieren möchtest, solltest du eine Zahl unbedingt kennen: deinen Mindestumsatz. Das ist der Betrag, den du jeden Monat einnehmen musst, damit dein Business läuft und du dir dein Leben weiterhin finanzieren kannst.

Der Denkfehler vieler Selbstständiger ist, vom gewünschten Nettoeinkommen auszugehen. Wenn du zum Beispiel 3.000 Euro im Monat brauchst, dann ist das nicht dein Umsatz und auch nicht dein Gewinn, sondern das Geld, das nach allen Abzügen übrigbleiben soll. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, denn vorher gehen noch Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und Betriebsausgaben ab.

Brutto- und Netto-Einkommen für Selbstständige

PostenBetrag
Gewünschtes Nettoeinkommen3.000 Euro
Einkommensteuerca. 900 Euro
Krankenversicherungca. 600 Euro
Altersvorsorgeca. 400 Euro
Betriebsausgabenca. 600 Euro
Benötigter Gewinnca. 5.500 Euro

Diese Zahl ist entscheidend. Denn wenn du weißt, wie viel Gewinn du brauchst, kannst du daraus ableiten, wie viele Stunden du arbeiten musst – und ob eine Vier-Tage-Woche für dich realistisch ist.

Fixkosten bleiben gleich, auch wenn du weniger arbeitest

Ein Punkt, der bei der Planung oft übersehen wird: Viele deiner Kosten als Selbstständige:r verändern sich nicht, nur weil du weniger arbeitest. Deine Krankenversicherung wird nicht günstiger, nur weil du freitags frei machst. Auch Software-Abos, Miete, Versicherungen oder Steuerberatung laufen ganz normal weiter.

Das führt zu einem typischen Effekt: Wenn du deine Arbeitszeit um 20 Prozent reduzierst, sinkt dein Gewinn nicht automatisch auch nur um 20 Prozent. In vielen Fällen sinkt er deutlich stärker, weil deine Fixkosten gleichbleiben und nur der Umsatz zurückgeht.

Beispiel:

Natalie hat bisher 6.000 Euro Gewinn gemacht und Fixkosten in Höhe von 2.000 Euro. Ihr bleiben als 4.000 Euro. Reduziert sie nun ihre Arbeitszeit und ihr Gewinn sinkt auf 5.000 Euro, bleiben ihr nach Fixkosten nur noch 3.000 Euro. Sie arbeitet also 20 Prozent weniger, hat aber 25 Prozent weniger Geld.

Genau deshalb ist die Vier-Tage-Woche für Selbstständige vor allem eine Kosten- und Gewinnfrage.

Nicht fakturierbare Zeit: Der unterschätzte Faktor

Viele Selbstständige planen ihre Arbeitszeit in Tagen, sinnvoller ist es jedoch, in fakturierbaren Stunden zu denken. Denn ein Teil deiner Arbeit bringt kein direktes Geld, gehört aber trotzdem zu deinem Business.

Typische nicht fakturierbare Tätigkeiten sind zum Beispiel:

  • Buchhaltung und Belege sortieren 
  • Angebote und Rechnungen schreiben 
  • E-Mails beantworten 
  • Kund:innenakquise 
  • Marketing und Social Media 
  • Weiterbildung 
  • Organisation 

Diese Aufgaben sind wichtig, aber du kannst sie in der Regel nicht direkt abrechnen. In vielen Solo-Selbstständigkeiten machen sie 20–40 % der gesamten Arbeitszeit aus.

Das bedeutet: Wenn du bisher 40 Stunden pro Woche arbeitest, kannst du vielleicht nur 24 bis 30 Stunden davon in Rechnung stellen. Wenn du auf eine Vier-Tage-Woche reduzierst, sinkt vor allem diese abrechenbare Zeit und damit dein Umsatz.

Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht: „Wie viele Tage arbeite ich?“, sondern: „Wie viele Stunden kann ich pro Woche in Rechnung stellen?“

Selbstmanagement: Mit unseren Tipps stressfreier durch den Tag

Vier-Tage-Woche für Selbstständige: So klappt die Umstellung

Ob du als Selbstständige:r deine Arbeitszeit um einen Tag reduzieren kannst, hängt letztlich von deiner Arbeitsweise, deiner finanziellen Situation und deinem Geschäftsmodell ab. Wer effizient arbeitet und sein Business gut organisiert, kann die Vorteile nutzen. Ohne Planung kann die Umstellung jedoch schnell zur Belastung werden.

1. Finanzen im Blick behalten

Eine verkürzte Arbeitswoche bedeutet in vielen Fällen auch weniger abrechenbare Stunden. Möchtest du dein Einkommen halten, solltest du frühzeitig kalkulieren und deinen Stundensatz überprüfen.

2. Effizientes Arbeiten: Qualität schlägt Quantität

Weniger Zeit bedeutet, dass Abläufe effizienter gestaltet und unwichtige Aufgaben reduziert werden müssen. Du solltest den Fokus auf die lukrativsten Projekten liegen.

3. Zeitmanagement als Schlüsselfaktor

Automatisierung, klare Prozesse und feste Arbeitszeiten helfen dir dabei, produktiver zu arbeiten und weniger Zeit zu verlieren.

4. Klare Kommunikation mit Kunden

Informiere Kund:innen frühzeitig über deine neuen Arbeitszeiten. Durch klare Absprachen vermeidest du Missverständnisse.

5. Steuerliche Aspekte nicht unterschätzen

Weniger Gewinn bedeutet meist auch weniger Einkommensteuer. Gleichzeitig solltest du prüfen, ob deine Steuervorauszahlungen angepasst werden müssen. Auch deine Krankenversicherung hängt von deinem Einkommen ab. Unter Umständen kann auch die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) wieder relevant werden, wenn dein Umsatz sinkt.

„Wer seine Arbeitszeit reduziert, sollte seine Steuervorauszahlungen prüfen und anpassen lassen. Ansonsten kann es passieren, dass weiterhin zu hohe Vorauszahlungen geleistet werden.“

Tino Keller - Gründer, CMO & Geschäftsführer Deutschland

tino author

5-Tage-Woche vs. 4-Tage-Woche für Selbstständige


5 Tage4 Tage
Arbeitstage pro Monat2016
Benötigter Gewinn5.500 €5.500 €
Benötigter Umsatz pro Tag275 €344 €

Wenn du weniger Tage arbeitest, muss dein Umsatz pro Tag steigen.

Fazit: Die Vier-Tage-Woche ist vor allem eine unternehmerische Entscheidung

Die Vier-Tage-Woche kann für Selbstständige sehr gut funktionieren – aber nicht automatisch. Während Angestellte ihre Arbeitszeit reduzieren und einfach weniger Gehalt bekommen, müssen Selbstständige ihr Einkommen selbst erwirtschaften und gleichzeitig Fixkosten, Versicherungen und Steuern bezahlen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viele Tage du arbeitest, sondern:

  • wie hoch dein Stundensatz ist, 
  • wie viele Stunden du in Rechnung stellen kannst, 
  • wie hoch deine Fixkosten sind, 
  • und wie gut du dein Business organisiert hast. 

Wenn du deine Zahlen kennst, deinen Mindestumsatz berechnet hast und deine Preise realistisch kalkulierst, kann eine Vier-Tage-Woche funktionieren. Ohne Planung kann sie jedoch schnell dazu führen, dass du zwar weniger arbeitest, aber finanziell unter Druck gerätst.

Die Vier-Tage-Woche ist deshalb kein reines Arbeitszeitmodell, sondern vor allem eine unternehmerische Entscheidung.

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FAQ – Vier-Tage-Woche für Selbstständige

Kann ich als Selbstständige:r einfach weniger arbeiten?

Grundsätzlich ja, aber dein Einkommen hängt direkt von deiner Arbeitszeit, deinem Stundensatz und deinen Kund:innen ab. Deshalb solltest du vorher berechnen, ob dein Einkommen weiterhin ausreicht.

Muss ich meinen Stundensatz erhöhen, wenn ich nur noch vier Tage arbeiten möchte?

In vielen Fällen ja. Wenn du die gleiche Summe verdienen möchtest, musst du als Selbstständige:r den gleichen Gewinn in weniger Arbeitszeit erwirtschaften.

Zahle ich weniger Steuern, wenn ich weniger arbeite?

Wenn dein Gewinn sinkt, zahlst du in der Regel auch weniger Einkommensteuer. Deine Steuervorauszahlungen kannst du beim Finanzamt anpassen lassen.

Für wen eignet sich die Vier-Tage-Woche besonders?

Vor allem eignet sich die Vier-Tage-Woche für Selbstständige mit hohem Stundensatz, stabilen Kund:innen, guter Planung und Rücklagen.

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Robert Jödicke

Autor:in - Robert Jödicke

Robert Jödicke ist ein erfahrener Steuerexperte und Autor bei Accountable, spezialisiert auf Steuertipps und Steuerersparnisse für Selbstständige.

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