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Krankheit kommt oft unerwartet und kann jeden treffen – auch Selbstständige. Während Angestellte in den meisten Fällen auf eine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber zählen können, sieht die Situation für Selbstständige oft anders aus.
Ohne die richtige Vorsorge kann eine Erkrankung schnell existenzbedrohend werden. Wenn du selbstständig bist und wissen möchtest, wie du dich für den Fall einer Krankschreibung am besten absicherst, ist dieser Ratgeber genau das Richtige für dich.
Selbstständig und krank: Kein Einkommen und andere Folgen
Die unmittelbaren Folgen einer Krankschreibung können für Selbstständige, Freiberufler:innen und Freelancer:innen erheblich sein. Sie hängen stark von der Art der Tätigkeit, der Dauer der Krankheit und den getroffenen Vorsorgemaßnahmen ab. Zu den wichtigsten unmittelbaren Auswirkungen gehören:
Finanzielle Folgen
Verdienstausfall: Da es für kranke Selbstständige keine automatische Lohnfortzahlung wie bei Angestellten gibt, kann jeder Krankheitstag einen direkten Einkommensverlust bedeuten.
Laufende Kosten: Auch wenn du nicht arbeiten kannst, laufen die Geschäftskosten wie Miete, Versicherungen und eventuell Gehälter für Mitarbeiter:innen weiter.
Zusätzliche Kosten: Abhängig von der Art der Erkrankung können zusätzliche Kosten für Medikamente, Therapien oder medizinische Geräte anfallen.
Geschäftliche Folgen
Projektverzögerungen: Wenn du nicht arbeiten kannst, werden Projekte und Aufträge wahrscheinlich verzögert.
Kund:innenverlust: Abhängig von der Dauer deiner Abwesenheit und der Art deines Geschäfts könntest du Kund:innen verlieren.
Reputationsrisiko: Ein unerwarteter Ausfall kann zu Unzufriedenheit bei Kund:innen und Geschäftspartner:innen führen, was langfristige Auswirkungen auf deine Reputation haben kann.
Vertragliche und rechtliche Folgen
Vertragsstrafen: In einigen Fällen können Vertragsstrafen für nicht erbrachte Leistungen oder nicht eingehaltene Fristen anfallen.
Rechtliche Konsequenzen: Je nach den spezifischen Vertragsbedingungen und der Art deiner Tätigkeit könntest du rechtlichen Risiken ausgesetzt sein.
Gesundheitliche Folge
Stress: Die Kombination aus gesundheitlichen und geschäftlichen Sorgen kann zu erhöhtem Stress führen und sich negativ auf deine Genesung auswirken.
Soziale Isolation: Krankheit kann dazu führen, dass du weniger sozial interagierst, was sich negativ auf dein Wohlbefinden auswirken kann.
Langfristige Gesundheitsprobleme: Wenn du dir nicht ausreichend Zeit für die Genesung nimmst, riskierst du langfristige gesundheitliche Probleme.
Es ist daher wichtig, dass du dich sowohl kurz- als auch langfristig gut absicherst und im Krankheitsfall schnell und effektiv handelst.
💡Tipp von Accountable: Investiere in deine Gesundheit – durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und einen gesunden Lebensstil.
Krank als Selbstständiger: Möglichkeiten zur Absicherung im Krankheitsfall
Die Absicherung im Krankheitsfall ist für Selbstständige und Freelancer:innen besonders wichtig, da sie im Gegensatz zu Angestellten keinen automatischen Anspruch auf Lohnfortzahlung haben. Wir stellen dir einige Möglichkeiten vor, wie du dich für den Fall einer Krankschreibung als Selbstständige:r sowohl kurz- als auch langfristig absichern kannst.
Kurzfristige Absicherung
Krankentagegeldversicherung: Diese Option schließt du im Rahmen einer privaten Krankenversicherung ab. Sie zahlt ein tägliches Krankengeld ab einem bestimmten Tag der Arbeitsunfähigkeit. Höhe und Bedingungen können individuell festgelegt werden. Je nach Tarif beginnt die Auszahlung meist ab dem 15., 22. oder 43. Krankheitstag. Eine Kombination mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kann sinnvoll sein.
Rücklagen bilden: Ein finanzielles Polster kann helfen, die ersten Wochen einer Erkrankung zu überbrücken.
Notfallplan: Erstelle einen Plan für den Fall, dass du kurzfristig ausfällst. Dies kann die Delegation von Aufgaben oder die vorübergehende Schließung des Geschäfts beinhalten.
Langfristige Absicherung
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Diese Versicherung zahlt eine monatliche Rente, falls du aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls deinen derzeitigen Beruf nicht mehr ausüben kannst.
Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Im Gegensatz zur BU-Versicherung zahlt diese Versicherung, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst. Sie ist meist günstiger, bietet aber auch weniger Schutz.
Private Altersvorsorge: Eine gute Altersvorsorge kann auch im Krankheitsfall nützlich sein, etwa durch die Möglichkeit, angespartes Kapital vorzeitig zu entnehmen.
Kapitallebens- oder Risikolebensversicherung: Diese Versicherungen können im Todesfall die finanzielle Last für die Hinterbliebenen mindern und sind manchmal mit Zusatzoptionen für den Krankheitsfall versehen.
Schwere Krankheiten Versicherung (Dread Disease): Diese Versicherung zahlt bei Diagnose einer schweren Krankheit wie Krebs oder einem Herzinfarkt eine einmalige Summe aus.
Pflegeversicherung: Eine zusätzliche private Pflegeversicherung kann sinnvoll sein, um die Lücke zwischen den tatsächlichen Kosten einer Pflege und den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu schließen.
Betriebsausfallversicherung: Diese greift, wenn dein Betrieb krankheitsbedingt komplett stillsteht – insbesondere relevant für Selbstständige mit eigenen Räumen, z. B. Therapeut:innen oder Handwerker:innen.
💡Tipp von Accountable: Einige Versicherungsprämien sind steuerlich absetzbar. So kannst du etwa die Prämien für eine Berufsunfähigkeitsversicherung in der „Anlage Versorgungsaufwand“ angeben.
Ob Erkältung, gebrochenes Bein oder Burnout – es gibt einige wichtige Punkte, die im Fall einer Krankschreibung Selbstständige, Freiberufler:innen und Freelancer:innen immer beachten und konkret umsetzen sollten:
Krankenversicherung
Krankenkasse informieren: Als Selbstständige:r bist du in der Regel selbst für deine Krankenversicherung verantwortlich. Informiere deine Krankenkasse so schnell wie möglich über deine Erkrankung.
Krankmeldung als Selbstständige:r: Viele private Krankenversicherungen verlangen eine ärztliche Bescheinigung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung), um Leistungen wie Krankentagegeld zu gewähren.
Finanzielle Aspekte
Krankentagegeld: Wenn du eine Versicherung für Krankentagegeld abgeschlossen hast, solltest du die Bedingungen prüfen und ggf. einen Antrag stellen.
Rücklagen: Idealerweise hast du finanzielle Rücklagen gebildet, um Einkommensausfälle abzufedern.
Steuern und Sozialabgaben: Diese laufen weiter, auch wenn du krank sind. Kläre ab, welche Zahlungen aufgeschoben werden können. Du kannst außerdem beim Finanzamt beantragen, die Einkommensteuer-Vorauszahlungen zu senken oder stunden zu lassen, um kurzfristig finanziellen Spielraum zu gewinnen.
Geschäftliche Aspekte
Kund:innen und Auftraggeber:innen informieren: Je nach Art deiner Tätigkeit und den vertraglichen Vereinbarungen kann es notwendig sein, deine Kund:innen über die Erkrankung zu informieren.
Vertretung: Überlege dir, ob und wie deine Tätigkeiten während deiner Abwesenheit fortgeführt werden können.
Verträge und Fristen: Überprüfe bestehende Verträge auf Klauseln, die bei Krankheit relevant werden könnten, z. B. Fristen für die Auftragserfüllung.
💡Tipp von Accountable: Wenn du als Selbstständige:r krankgeschrieben bist, ist der wichtigste Punkt natürlich, dass du dir ausreichend Zeit für deine Genesung und Erholung nimmst.
Krankengeld oder Krankentagegeld: Das musst du wissen
Eine der wichtigsten Fragen für Selbstständige, die krank sind, lautet: Wer zahlt? Grundsätzlich hast du die Möglichkeit, Krankengeld bzw. Krankentagegeld zu erhalten. Was du bekommst, hängt allerdings davon ab, bei wem du versichert bist:
Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Wenn du in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, kannst du als Selbstständige:r einen Wahltarif für Krankengeld abschließen. Dies ist meist mit höheren Beiträgen verbunden. In der Regel gibt es eine Wartefrist von sechs Wochen, bevor das Krankengeld ausgezahlt wird. Es beträgt in der Regel 70 % des Bruttoeinkommens, jedoch maximal 90 % des Nettoeinkommens.
Das Krankengeld wird für jeden Kalendertag bezahlt, an dem du krankgeschrieben bist. Es ist auf einen gesetzlichen Höchstbetrag von derzeit 117,75 Euro pro Tag begrenzt (Stand: 2025). Versicherte erhalten Krankengeld wegen derselben Krankheit für höchstens 78 Wochen innerhalb von je 3 Jahren. Über die Künstlersozialkasse (KSK) können selbstständige Kreative in der GKV pflichtversichert sein – inklusive hälftiger Beitragsübernahme und Möglichkeit zum Krankengeldtarif.
Private Krankenversicherung (PKV)
In der privaten Krankenversicherung kannst du eine Zusatzversicherung für Krankentagegeld abschließen. Die Höhe und die Bedingungen für die Auszahlung sind abhängig vom Anbieter und werden vertraglich festgelegt. Der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung in der PKV ist zwar mittlerweile Standard, für Selbstständige aber nicht obligatorisch.
Besonderheiten für Familien & Pflege
Selbstständige haben aktuell keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld (§ 45 SGB V), wenn das Kind krank ist. Diese Leistung bleibt gesetzlich Versicherten mit Anstellungsverhältnis vorbehalten.
„Für Selbstständige gibt es bislang keine gesetzliche Lösung, wenn das Kind krank wird – das kann schnell zur Belastungsprobe für das Business werden. Auch das Pflegeunterstützungsgeld für pflegende Angehörige (§ 44a SGB XI) ist ausschließlich für sozialversicherungspflichtige Angestellte vorgesehen. “
Freiwillige Versicherung: Selbstständige, die nicht pflichtversichert sind, können sich freiwillig in der GKV versichern und den Krankengeldanspruch wählen.
Rückwirkende Zahlung: In einigen Fällen ist es möglich, den Krankengeldanspruch rückwirkend geltend zu machen, allerdings ist dies oft mit Nachteilen verbunden.
Dauer der Zahlung: Die Dauer der Krankengeldzahlung kann je nach Versicherung und individuellen Umständen variieren.
💡Tipp von Accountable: Es ist immer ratsam, sich schon im Vorfeld genau über die verschiedenen Optionen zu informieren und gegebenenfalls eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen.
Selbstständig und krank: Sozialhilfe als letzter Ausweg
Als Selbstständige:r bzw. Freelancer:in hast du grundsätzlich die Möglichkeit, im Krankheitsfall Sozialhilfe zu beantragen, allerdings gelten hierfür bestimmte Bedingungen und Einschränkungen. So musst du zum Beispiel zuvor alle anderen zur Verfügung stehenden Mittel (z. B. Krankengeld, private Versicherungsleistungen) ausgeschöpft haben. In einigen Fällen kann die Sozialhilfe als Darlehen gewährt werden, das später zurückgezahlt werden muss. Unter bestimmten Bedingungen können auch Familienangehörige zur Unterstützung herangezogen werden.
Seit der Bürgergeld-Reform 2023/24 sind die Zugangsvoraussetzungen für staatliche Leistungen teilweise vereinfacht worden. Für Selbstständige, die dauerhaft erwerbsunfähig werden, kommt zudem unter bestimmten Voraussetzungen die Grundsicherung bei Erwerbsminderung in Betracht. Diese entspricht dem Bürgergeld, ist aber speziell für Menschen mit gesundheitlich bedingter Erwerbsunfähigkeit konzipiert.
Chronisch krank und selbstständig: Besonderheiten und Herausforderungen
Wenn du als Selbstständiger chronisch krank wirst, gibt es weitere Punkte, die du beachten solltest:
Finanzielle Aspekte: Chronische Krankheiten können die Kosten für Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungen erheblich erhöhen. Auch die Dauer der Krankengeldzahlungen kann bei chronischen Erkrankungen an bestimmte Bedingungen geknüpft sein.
Geschäftliche Aspekte: Je nach Art der Erkrankung und deiner Tätigkeit kann es notwendig sein, dein Geschäftsmodell anzupassen, um weiterhin arbeiten zu können. Zudem können unvorhersehbare Ausfallzeiten entstehen. Überlege, wie du dein Geschäft flexibel gestalten kannst, um damit umzugehen.
Rechtliche Aspekte: Bei bestimmten chronischen Erkrankungen kannst du einen Schwerbehindertenausweis beantragen, der dir bestimmte Rechte und Vorteile bringt. Überprüfe und aktualisiere ggf. deine Verträge und AGBs, um deine Situation als chronisch kranke:r Selbstständige:r abzudecken.
Medizinische Aspekte: Chronische Krankheiten erfordern eine kontinuierliche medizinische Betreuung. Eine ausgewogene Work-Life-Balance und Stressmanagement sind ebenfalls besonders wichtig, um die Krankheitssymptome nicht zu verschlimmern.
Fazit: Krank und selbstständig – das kannst du vorbeugend tun
Selbstständig und krank zu sein ist mehr als nur eine persönliche Herausforderung – es kann zur finanziellen und beruflichen Belastungsprobe werden. Ohne die richtigen Vorsorgemaßnahmen riskierst du im Ernstfall nicht nur Einnahmeausfälle, sondern auch langfristige Konsequenzen für dein Business.
Deshalb gilt: Wer frühzeitig vorsorgt, sich über Versicherungen und rechtliche Rahmenbedingungen informiert und individuelle Lösungen plant, schützt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine unternehmerische Existenz. Mit einem durchdachten Sicherheitsnetz kannst du dich im Krankheitsfall auf das konzentrieren, was wirklich zählt – deine Genesung.
FAQ – Häufige Fragen zum Thema Selbstständigkeit und Krankheit
Habe ich als Selbstständige:r Anspruch auf Krankengeld?
Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. In der gesetzlichen Krankenversicherung brauchst du dafür einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch – sonst erhältst du keine Lohnersatzleistung.
Ab wann wird Krankengeld oder Krankentagegeld gezahlt?
In der GKV beginnt die Zahlung nach einer Wartezeit von sechs Wochen. Bei privaten Krankentagegeldversicherungen richtet sich der Startpunkt nach dem gewählten Tarif – oft ab Tag 15, 22 oder 43.
Wie lange wird Krankengeld gezahlt?
Gesetzlich Versicherte erhalten maximal 78 Wochen Krankengeld innerhalb von drei Jahren – für dieselbe Erkrankung. Die Zahlung erfolgt für jeden Kalendertag, an dem du arbeitsunfähig bist.
Was passiert, wenn ich gar keine Absicherung abgeschlossen habe?
Ohne Krankengeldtarif oder Krankentagegeldversicherung bekommst du keine Leistung im Krankheitsfall. In diesem Fall helfen nur eigene Rücklagen oder – im Notfall – Sozialhilfe.
Kann ich Kinderkrankengeld bekommen, wenn mein Kind krank ist?
Nur, wenn du gesetzlich versichert bist und dich für einen Wahltarif mit Krankengeld entschieden hast. Ohne diesen Tarif besteht kein Anspruch – auch nicht bei längerer Erkrankung deines Kindes.
Welche staatlichen Hilfen gibt es im Krankheitsfall?
Wenn keine anderen Leistungen greifen, kannst du Sozialhilfe beantragen. Bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit kommt auch Grundsicherung bei Erwerbsminderung in Betracht.
Welche Versicherung hilft mir bei längeren Erkrankungen?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine monatliche Rente, wenn du dauerhaft nicht mehr in deinem Beruf arbeiten kannst. Sie ist besonders wichtig für Selbstständige ohne sonstige Absicherung.
Was ist der Unterschied zwischen BU- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung?
BU greift, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst – Erwerbsunfähigkeit liegt vor, wenn du überhaupt keiner Arbeit mehr nachgehen kannst. Letztere ist meist günstiger, bietet aber weniger Schutz.
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09.04.2026
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