Berlin, 28. Oktober 2026. Ob Altersvorsorgepflicht, Bürokratieabbau oder neue Vorgaben für Unternehmen: Die politischen Rahmenbedingungen für Selbstständige werden erneut in Deutschlands Parlamenten diskutiert. Doch wie viele derjenigen, die auf Landesebene Gesetze beschließen, haben selbst unternehmerische Erfahrung? Dieser Frage ist die Steuer-App Accountable nachgegangen und hat den beruflichen Hintergrund aller 1.884 Abgeordneten der 16 deutschen Landesparlamente untersucht. Das Ergebnis: 409 Parlamentarier waren vor ihrem Mandat hauptberuflich selbstständig. Mit 21,7 Prozent sind es mehr als doppelt so viele wie in der Erwerbsbevölkerung, in der ihr Anteil bei rund acht Prozent liegt.
Im Hinblick auf die Parteien mit mindestens 20 Sitzen erfüllen zwei Fraktionen ihren Ruf als Partei der Unternehmer. Bei den Freien Wählern sind 45,9 Prozent (17 von 37) der untersuchten Abgeordneten selbstständig, also nahezu die Hälfte. Dahinter folgt die FDP mit 36,4 Prozent (12 von 33 Abgeordneten). Auch bei der AfD liegt der Anteil mit 31,3 Prozent (102 von 326) über dem Durchschnitt aller Landtagsabgeordneten.
Es folgen das BSW mit 28,6 Prozent (8 von 28 Abgeordneten), die CSU mit 28,2 Prozent (24 von 85 Abgeordneten) und die CDU mit 24,1 Prozent (127 von 528 Abgeordneten). Bei den Grünen und der SPD fällt der Selbstständigenanteil mit 15,8 (45 von 284 Abgeordneten) bzw. 12,1 Prozent (53 von 437 Abgeordneten) niedriger aus. Den geringsten Anteil weist Die Linke auf. Dort sind nur 8,8 Prozent (7 von 80) der untersuchten Abgeordneten selbstständig.
Die regionale Verteilung der Selbstständigen in den Landesparlamenten unterscheidet sich erheblich. Den höchsten Anteil verzeichnet Bayern. Dort sind 64 der insgesamt 203 Abgeordneten selbstständig, was 31,5 Prozent entspricht. Darunter befinden sich unter anderem Rechtsanwälte und Landwirte sowie Metzgermeister, Gastronomen und zwei Hufschmiede. Auf den weiteren vorderen Plätzen liegen Sachsen mit 29,2 Prozent (35 von 120 Abgeordneten) und Brandenburg mit 26,1 Prozent (23 von 88 Abgeordneten).
Am anderen Ende des Rankings steht das Saarland. Nur vier der 51 Abgeordneten sind dort selbstständig, was einem Anteil von 7,8 Prozent entspricht. Zu den Selbstständigen gehören eine Rechtsanwältin, ein Geschäftsführer, ein Politik- und Kommunikationsberater sowie ein selbstständiger Versicherungsvertreter. Damit liegt die Quote in Bayern rund viermal so hoch wie im Saarland. Vergleichsweise niedrige Anteile weisen auch Rheinland-Pfalz mit 11,4 Prozent (12 von 105 Abgeordneten) und Hessen mit 13,5 Prozent (18 von 133 Abgeordneten) auf. Das Mittelfeld bilden Nordrhein-Westfalen (22,6 Prozent), Hamburg (22,3 Prozent), Berlin (22 Prozent), Baden-Württemberg (21 Prozent), Sachsen-Anhalt (20,5 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (20,3 Prozent), Niedersachsen (19,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (17,4 Prozent).
Tino Keller, Mitgründer und Geschäftsführer von Accountable, kommentiert die Ergebnisse:
„Dass mehr als jeder fünfte Landtagsabgeordnete selbstständig ist, ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Selbstständigkeit bringt Herausforderungen mit sich, die man oft erst richtig versteht, wenn man sie selbst erlebt hat. Wer ein Unternehmen geführt hat oder freiberuflich tätig war, weiß, wie viel Zeit Steuererklärungen, Buchhaltung, Rechnungen und andere bürokratische Pflichten im Alltag beanspruchen. Solche Erfahrungen können helfen, politische Entscheidungen näher an der Lebensrealität von Selbstständigen auszurichten.
Gleichzeitig zeigt unsere Analyse, wie unterschiedlich diese Perspektive in den Landesparlamenten vertreten ist. Natürlich sagt der berufliche Hintergrund allein noch nichts darüber aus, wie sich jemand politisch für Selbstständige einsetzt. Entscheidend ist, dass ihre Anliegen bei politischen Entscheidungen ausreichend berücksichtigt werden. Gerade wenn es um Bürokratieabbau, steuerliche Pflichten oder die Bedingungen für Unternehmensgründungen geht, braucht es ein Verständnis dafür, was neue Regelungen im beruflichen Alltag tatsächlich bedeuten. Die Hürden für Selbstständigkeit in Deutschland sollten abgebaut werden. Dafür ist es wichtig, dass die Erfahrungen der Betroffenen auch in der Politik ankommen.“
Alle relevanten Untersuchungsergebnisse wurden unter dem nachfolgenden Link grafisch aufbereitet: xx
Über die Untersuchung
Für die Analyse untersuchte Accountable den beruflichen Hintergrund aller 1.884 Abgeordneten der 16 deutschen Landtage. Grundlage waren die offiziellen Abgeordnetenprofile, Lebensläufe und veröffentlichungspflichtigen Angaben der Landesparlamente, ergänzt durch abgeordnetenwatch.de, sofern Angaben fehlten. Als selbstständig wurden Personen erfasst, die bei Mandatsantritt oder unmittelbar davor hauptberuflich selbstständig oder unternehmerisch tätig waren. Die Untersuchung basiert auf den jeweils amtierenden Wahlperioden (Stand: 12. Oktober 2026).
Accountable mit Sitz in Berlin und Brüssel gestaltet seit 2019 die Steuersoftware für Selbstständige neu. Der Schwerpunkt liegt darauf, allen Selbstständigen – ob steuerlich versiert oder nicht – zu ermöglichen, ihre Steuern und Finanzen eigenständig zu managen. Dabei bietet Accountable als erster Anbieter auf dem Markt einen KI-gestützten Steuerberater, der Belege automatisch kategorisiert, Steuerfragen beantwortet und die Daten für das Finanzamt vorbereitet. Seit der Gründung wurden über die App mehr als 175.000 Steuererklärungen bearbeitet. In Deutschland wird Accountable von über 40.000 und europaweit von mehr als 80.000 Nutzern verwendet.