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Selbstständigkeit trotz Krise: In diesen deutschen Städten gibt es die meisten Neugründungen

Geschrieben von: Sophia Merzbach

Aktualisiert am: April 17, 2026

Lesezeit: 3 Minuten

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Die deutsche Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren stagniert oder sogar geschrumpft. Dennoch ist der Unternehmergeist in Deutschland ungebrochen: Selbst in den Rezessionsjahren 2023 und 2024 wurden hierzulande mehr Unternehmen gegründet als aufgegeben. Doch wo wagen besonders viele Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit? Dieser Frage ist die Steuer-App für Selbstständige, Accountable, nachgegangen und hat auf Basis von Daten der Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamtes die Neugründungen und Geschäftsaufgaben in den 50 größten deutschen Städten analysiert.

NRW an der Spitze: Fünf der Top 10 Gründerstädte liegen im Westen

Mit 28,23 Unternehmensgründungen je 1.000 Einwohnern liegt Leverkusen weit vor allen anderen untersuchten Standorten und führt das Ranking der Städte mit den meisten Neugründungen an. Der bundesweite Durchschnitt liegt mit 15,05 Gründungen pro 1.000 Einwohner deutlich darunter. 

Auf den folgenden Plätzen liegen mit Köln (22,03) und Düsseldorf (20,98) zwei weitere Städte aus Nordrhein-Westfalen. Erst danach reiht sich Berlin mit 20,84 Neugründungen je 1.000 Einwohner ein, gefolgt von Hamburg mit 20,49. Die Top Ten werden komplettiert durch Bonn (20,09), Frankfurt am Main (18,34), Wiesbaden (17,45), Mönchengladbach (16,82) und Kassel (16,47).

In diesen Städten gibt es die wenigsten neuen Unternehmen

Am unteren Ende des Rankings liegt Halle (Saale) mit 10,16 Neugründungen je 1.000 Einwohner. Auch in Magdeburg (10,29) und Braunschweig (10,98) fällt die Gründungsaktivität vergleichsweise gering aus. In Rostock (11,64) und Stuttgart (12,10) folgen mit etwas höheren, aber dennoch unterdurchschnittlichen Werten.

Ergänzt werden die Flop Ten durch Dresden (12,35), Potsdam (12,45), Gelsenkirchen (12,47), Chemnitz (12,70) und Aachen (12,76). Besonders im direkten Vergleich wird der Abstand zur Spitze deutlich: In Leverkusen werden mit 28,23 Neugründungen je 1.000 Einwohner fast dreimal so viele Unternehmen gegründet wie in Halle (Saale). Auffällig ist außerdem die regionale Verteilung: Während mit Berlin nur eine ostdeutsche Stadt in den Top Ten vertreten ist, liegen sechs der zehn Städte mit der geringsten Gründungsaktivität in Ostdeutschland.

Bundesweit mehr Neugründungen als Geschäftsaufgaben

Im direkten Vergleich der Neugründungen und Geschäftsaufgaben der Städte zeigt sich ein positives Bild: In allen untersuchten Städten wurden selbst in den Rezessionsjahren mehr Unternehmen gegründet als aufgegeben. Besonders groß ist der Unterschied in Köln, wo es 65,32 Prozent mehr Neugründungen als Geschäftsaufgaben gab. Auch Stuttgart (51,74 Prozent) und Hamburg (48,6 Prozent) weisen einen sehr hohen positiven Saldo auf, gefolgt von Mannheim (44,24 Prozent) und Münster (43,83 Prozent). 

In Wuppertal und Wiesbaden fällt der Gründungsüberschuss mit jeweils 4,0 Prozent dagegen deutschlandweit am niedrigsten aus. Ähnlich gering ist er in Rostock (4,78 Prozent), Kassel (5,45 Prozent) und Duisburg (7,69 Prozent) und liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 24,31 Prozent.

Accountable-Gründer Tino Keller kommentiert die Ergebnisse:

„Egal ob Handwerksbetrieb, Freelancer oder kleines Online-Business: Es braucht Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, um wirtschaftliche Dynamik zu erzeugen. Unsere Analyse zeigt, dass es diese auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen gibt. Selbst in den Rezessionsjahren 2023 und 2024 wurden in allen untersuchten Städten mehr Unternehmen gegründet als aufgegeben. Das ist zunächst ein positives Signal.

Gleichzeitig ist anzumerken, dass nicht alle Gründungen Ausdruck von Aufbruchsstimmung sind. In einigen Fällen sind sie vielmehr eine Reaktion auf einen angespannten Arbeitsmarkt, in dem die Selbstständigkeit zunächst oft im Nebenerwerb als bessere oder sogar einzige Alternative erscheint. Das schließt keineswegs aus, dass auch aus solchen Gründungen erfolgreiche Unternehmen entstehen können, gehört aber ebenso zur Realität.

Wo gegründet wird, ist dabei kein Zufall. Die Unterschiede zwischen den Städten zeigen, wie stark die Rahmenbedingungen vor Ort wirken. So dürfte Leverkusens Titel als Gründerhochburg nicht nur auf eine ausgeprägte Gründerkultur, sondern auch auf die steuerlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen sein. Mit einem Gewerbesteuer-Hebesatz von 250 Prozent liegt die effektive Belastung vor Ort nämlich nur bei 8,75 Prozent und ist somit vergleichsweise niedrig. Das macht den Standort für viele Gründungen attraktiv und sendet auch ein Signal an andere Regionen: Je einfacher und planbarer die Bedingungen für Gründerinnen und Gründer sind, desto eher entstehen neue Unternehmen – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“

Über die Auswertung

Für die Analyse wurde auf Basis der Regionaldatenbank des Statistischen Bundesamtes untersucht, in welchen der 50 einwohnerreichsten Städte Deutschlands es besonders viele gewerbliche Neuerrichtungen sowie Betriebsgründungen und Geschäftsaufgaben, gab. Übernahmen und Übergaben sowie Zu- und Fortzüge blieben unberücksichtigt. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die ermittelten Werte ins Verhältnis zur jeweiligen Einwohnerzahl gesetzt (Stand: 31. Dezember 2024). 

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Sophia Author

Autor:in - Sophia Merzbach

Sophia ist seit vielen Jahren Teil des Accountable-Teams und verbindet journalistische Genauigkeit mit handfestem Steuerwissen.

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