Berlin, 10. September 2026. Die Bundesregierung plant, Selbstständige schrittweise in die Altersvorsorgepflicht einzubeziehen. Wer sich künftig selbstständig macht, soll demnach verpflichtend für das Alter vorsorgen. Bei den Betroffenen stößt das Vorhaben jedoch auf breite Ablehnung: Die große Mehrheit hält die geplante Pflicht für den falschen Weg, fühlt sich finanziell überfordert und würde die erste Gelegenheit nutzen, sich davon befreien zu lassen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Steuer-App Accountable unter 812 Selbstständigen hervor.
Belastung statt Absicherung: 94 Prozent fürchten finanzielle Überforderung
Konkret bewerten 87,4 Prozent der Befragten die geplante Altersvorsorgepflicht als schlecht, 59 Prozent halten sie sogar für sehr schlecht. Nur 12,6 Prozent sehen das Vorhaben positiv. Der Hauptgrund ist finanzieller Natur: 94,2 Prozent geben an, dass ein solcher Pflichtbeitrag sie finanziell belasten würde, drei von vier Befragten (75,6 Prozent) sprechen sogar von einer sehr starken Belastung. Gerade einmal 5,8 Prozent halten die Belastung für gering oder gar nicht spürbar.
Entsprechend groß ist die Abneigung. Nach den bislang diskutierten Plänen sollen sich bereits Selbstständige von der Versicherungspflicht befreien lassen können. 91,6 Prozent der Befragten würden diese Möglichkeit nutzen, 77,6 Prozent auf jeden Fall. Lediglich 4,7 Prozent würden in der gesetzlichen Rentenversicherung bleiben. Selbst Nachbesserungen dürften daran wenig ändern. 45,2 Prozent geben an, unter keinen Umständen in der Rentenversicherung bleiben zu wollen. Als Bedingungen, unter denen sich die Selbstständigen eine verpflichtende Vorsorge vorstellen können, nennen 36,6 Prozent einkommensabhängige und damit tragbare Beiträge, 26,8 Prozent eine garantierte Rente ohne Anlagerisiko und 18,7 Prozent zusätzliche Leistungen wie Erwerbsminderungsrente, Reha oder Hinterbliebenenschutz.
Jeder Zweite stellt die Selbstständigkeit infrage
Wie stark die geplante Pflicht in die Lebensplanung eingreift, zeigt die Frage nach den Konsequenzen. 49 Prozent würden ihre Selbstständigkeit grundsätzlich überdenken, 22,8 Prozent würden sie einschränken und zusätzlich in eine Anstellung gehen, 12,7 Prozent würden sie ganz aufgeben. 42,4 Prozent würden ihre Preise erhöhen und damit die Kosten weitergeben, 36 Prozent würden anderen von der Selbstständigkeit abraten. Nur 9,4 Prozent sagen, für sie würde sich nichts verändern.
Dabei ist die Altersvorsorge längst nicht bei allen geregelt: 60,8 Prozent sorgen privat vor, beispielsweise über Rürup, eine private Rentenversicherung, ETFs oder Immobilien. 20,7 Prozent zahlen über einen Angestelltenjob im Hauptberuf in die gesetzliche Rentenversicherung ein und 10,7 Prozent sind über die Künstlersozialkasse abgesichert. 18,6 Prozent – also fast jeder fünfte Befragte – haben aktuell überhaupt keine Altersvorsorge.
Accountable-Gründer: „Die Politik löst das Problem an der falschen Stelle"
„Dass fast jeder fünfte Selbstständige gar nicht fürs Alter vorsorgt, ist ein reales Problem – daran gibt es nichts zu beschönigen. Aber unsere Umfrage zeigt sehr deutlich, dass eine Pflicht in der jetzt diskutierten Form bei vielen vor allem als zusätzliche Abgabe wahrgenommen wird und nicht als echte Absicherung. 94 Prozent sagen, dass der Beitrag sie finanziell stark belasten würde. Das ist keine Verweigerungshaltung, sondern eine nüchterne Rechnung: Viele Selbstständige arbeiten mit schwankenden Einnahmen und ohne Arbeitgeberanteil. Wenn über 90 Prozent bei der ersten Gelegenheit aussteigen würden und fast die Hälfte unter keinen Umständen bleiben will, ist das kein Detailproblem. Es zeigt, dass die geplante Konstruktion an der Lebensrealität vieler Selbstständiger vorbeigeht.", kommentiert Tino Keller, Mitgründer von Accountable. Er ergänzt:
„Die Befragten sagen ziemlich genau, was es bräuchte: einkommensabhängige Beiträge, die in schlechten Monaten mitatmen, echte Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Vorsorge sowie eine unbürokratische Abwicklung. Stattdessen droht jedoch ein Vorhaben, das fast jeden Zweiten dazu bringt, die eigene Selbstständigkeit grundsätzlich infrage zu stellen. Das wäre nicht nur für die Betroffenen problematisch, sondern auch ein schlechtes Signal für alle, die überlegen, sich künftig selbstständig zu machen. Wer den Schritt in die Selbstständigkeit plant, schaut sehr genau darauf, welche Belastungen damit verbunden sind und ob andere Länder attraktivere Bedingungen bieten. Deutschland sollte deshalb aufpassen, Selbstständigkeit nicht weiter zu erschweren. Altersarmut verhindert man nicht, indem man die Selbstständigkeit unattraktiver macht."
Freiwillige Vorsorge als Alternative zur Pflicht
Ab dem 1. Januar 2027 soll mit dem Altersvorsorgedepot erstmals auch Selbstständigen eine staatlich geförderte private Altersvorsorge offenstehen. Damit entsteht neben der Debatte über eine mögliche Rentenpflicht ein freiwilliges Modell, das stärker auf individuelle Vorsorge und steuerliche Förderung setzt. Accountable stellt unter accountable.de/altersvorsorgedepot einen Förderrechner sowie weitere Informationen dazu bereit.
Methodik
Für die Umfrage wurden insgesamt 812 Selbstständige über die Steuer-App Accountable im Zeitraum vom 27.08.2026 bis zum 31.08.2026 dazu befragt, wie sie die von der Bundesregierung geplante Altersvorsorgepflicht für Selbstständige bewerten, welche finanziellen Folgen sie für sich erwarten und welche Konsequenzen sie daraus für ihre Selbstständigkeit ziehen würden. Mehrfachnennungen waren bei den Fragen nach den Bedingungen für eine verpflichtende Vorsorge, der bestehenden Altersvorsorge sowie den möglichen Konsequenzen für die Selbstständigkeit möglich. Die Befragung ist nicht bevölkerungsrepräsentativ, bildet aber gezielt jene Gruppe ab, die von der geplanten Altersvorsorgepflicht unmittelbar betroffen wäre.
Accountable mit Sitz in Berlin und Brüssel gestaltet seit 2019 die Steuersoftware für Selbstständige neu. Der Schwerpunkt liegt darauf, allen Selbstständigen – ob steuerlich versiert oder nicht – zu ermöglichen, ihre Steuern und Finanzen eigenständig zu managen. Dabei bietet Accountable als erster Anbieter auf dem Markt einen KI-gestützten Steuerberater, der Belege automatisch kategorisiert, Steuerfragen beantwortet und die Daten für das Finanzamt vorbereitet. Seit der Gründung wurden über die App mehr als 175.000 Steuererklärungen bearbeitet. In Deutschland wird Accountable von über 40.000 und europaweit von mehr als 80.000 Nutzern verwendet.