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Selbstständig und Eltern – das kann man absetzen

Aktualisiert am
Lesezeit 7 minuten

Du erwartest Nachwuchs? Herzlichen Glückwunsch, es stehen aufregende Zeiten bevor! Doch mit der Schwangerschaft kommen gerade bei selbstständigen Eltern oft viele Fragen auf: Gibt es für Selbstständige einen bezahlten Mutterschutz? Wieviel Elternzeit bekommen Selbstständige? Und welche Kinderbetreuungskosten kann ich von der Steuer absetzen?

Deswegen widmen wir uns auf dieser Seite ganz dem Thema Eltern werden als Selbstständige und erklären, welche Rechte und Pflichten damit steuerlich einhergehen.

Inhaltsverzeichnis

Selbstständig als Ehepaar

Nur weil du ein Kind bekommst, heißt das natürlich nicht, dass du auch heiraten musst, aber für viele Paare geht die Familienplanung mit einer Heirat einher. Gerade in Deutschland bringt die Eheschließung dabei auch steuerliche Vorteile mit sich. Dazu gehört, dass Ehepaare die Wahl zwischen einer einzelnen oder einer gemeinsamen Veranlagung ihrer Steuererklärung haben. Das heißt, dass verheiratete Paare eine gemeinsame Steuererklärung abgeben können, in der sie ihre Einkünfte aus Ausgaben offenlegen.

➡️Selbstständig und angestellt: Das müssen Paare bei der gemeinsamen Steuererklärung beachten

Besonders vorteilhaft ist aber der Wechsel der anfallenden Steuerklasse bei der Eheschließung. In Deutschland gibt es nämlich insgesamt 6 Steuerklassen, in die jede*r Steuerzahler*in je nach seinem Familienstand eingeteilt wird:

  • Steuerklasse 1: ledig, verwitwet, getrennt/geschieden
  • Steuerklasse 2: alleinerziehend, getrennt lebend
  • Steuerklasse 3: Verheiratete mit höherem Einkommen, Elterngeldbezieher
  • Steuerklasse 4: Verheiratete mit gleichem Einkommen
  • Steuerklasse 5: Verheiratete mit geringerem Einkommen
  • Steuerklasse 6: Zweit- und Nebenjob unabhängig vom Familienstand

Nach einer Hochzeit wechseln Paare je nach Höhe ihres Einkommens entweder in die Steuerklasse 4, 5 oder 6. In der Steuerklasse 4 sind beide Partner gleichermaßen von der Höhe der steuerlichen Abzüge betroffen. Falls einer der Ehepartner wesentlich mehr verdient, ist eventuell eine Kombination der Steuerklassen 3 und 5 anwendbar. Hierbei sollte ein Einkommensunterschied von mindestens 60:40 vorliegen. In diesem Fall wird der Besserverdiener über Steuerklasse 3 und der Geringverdiener über Steuerklasse 5 versteuert. 

Mutterschutz für Selbstständige 

In Deutschland ist das Mutterschutzgesetz dafür zuständig, die Gesundheit von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt zu schützen. Während des Mutterschutzes, der von 6 Wochen vor dem Geburtstermin bis 8 Wochen nach der Geburt reicht, erhält die Mutter von ihrer Krankenkasse deswegen finanzielle Unterstützung, um den Arbeitsausfall auszugleichen.

Dieser Mutterschutz steht allerdings leider nur Frauen zu, die in einem Angestelltenverhältnis sind. Selbstständige Mütter haben hingegen nicht automatisch einen Anspruch auf Mutterschutz, sondern müssen sich bei ihrer jeweiligen Krankenversicherung über ihre Möglichkeiten informieren.

➡️Angestellt, selbständig oder nebenberuflich selbständig: Die Krankenversicherung in Deutschland

Mutterschutz für gesetzlich Versicherte

Wenn du gesetzlich versichert bist, entspricht dein Mutterschaftsgeld als Selbstständige dem dir zustehenden Krankengeld. Dafür musst du allerdings einen entsprechenden Tarif bei deiner gesetzlichen Krankenversicherung abgeschlossen haben. In einem Basistarif ist Krankengeld in der Regel nicht enthalten.

Das Krankengeld für Selbstständige berechnet sich wiederum auf Basis des durchschnittlichen Einkommens der vergangenen sechs Monate, um potenzielle Schwankungen bei selbstständigen Einnahmen auszugleichen. 70% dieses Betrags werden Selbstständigen während des Mutterschutzes von ihrer gesetzlichen Krankenkasse ausgezahlt.

Gut zu wissen: Während des Mutterschutzes bist du auch als Selbstständige kostenfrei gesetzlich versichert. Das heißt, du musst in dieser Zeit keine Beiträge für deine gesetzliche Krankenversicherung zahlen. Und das Mutterschaftsgeld ist steuerfrei. 

Mutterschutz für privat Versicherte

Wenn du selbstständig arbeitest und Mitglied in einer privaten Krankenversicherung bist, dann hast du ebenfalls keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld. Stattdessen musst du erneut einen zusätzlichen Tarif zu Krankengeldzahlungen abschließen, um während deines Mutterschutzes auch Zahlungen zu erhalten.

💡Tipp von Accountable: Wenn du privat versichert bist und neben deinem selbstständigen Job auch noch einer geringfügigen Arbeit nachgeht, kannst du beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) die Zahlung von Mutterschaftsgeld beantragen. Dies beläuft sich auf einmalig maximal 210€. 

➡️Hier geht’s zur Seite des Bundesamt für Soziale Sicherung

Elternzeit für Selbstständige

Neben dem Mutterschutz ist der Begriff der Elternzeit für Selbstständige wichtig, wenn sie Nachwuchs erwarten. Dies ist nämlich nicht das Gleiche, sondern beschreibt zwei unterschiedliche Ansprüche für werdende Eltern.

Während Mutterschutz das Wohl der Mutter und des Kindes unmittelbar vor und nach der Geburt absichert, ist die Elternzeit für beide Elternteile relevant: Sie ermöglicht es beiden Eltern, eine Auszeit von ihrer Arbeit zu nehmen, um sich um das Kind zu kümmern.

Dies ist allerdings primär für Eltern in einem Angestelltenverhältnis interessant, da die Elternzeit es ihnen ermöglicht, offiziell bis zu drei Jahre Elternzeit pro Kind zu beantragen und trotzdem bei dem gleichen Arbeitgeber zu bleiben. Arbeitnehmer in Elternzeit sind nämlich nicht kündbar.

Da Selbstständige aber aus eigenem Anspruch heraus Elternzeit nehmen können, ist für sie eher der Blick auf die finanzielle Absicherung während dieser Zeit relevant: Das Elterngeld. 

Selbstständig und Elterngeld

Im Gegensatz zum Mutterschaftsgeld steht auch Selbstständigen gesetzlich die Zahlung von Elterngeld zu – sofern sie nicht mehr als 150.000€ alleine oder 300.000€ gemeinsam im Jahr vor der Geburt verdient haben. Den entsprechenden Antrag auf Elterngeld musst du nur bei deiner zuständigen Elterngeldstelle beantragen, die sich nach deinem Wohnort richtet.

Wie viel Elterngeld bekomme ich?

Wie auch beim Mutterschaftsgeld, richtet sich die Höhe des Elterngeldes ebenfalls nach der Höhe deines Einkommens. Bei Selbstständigen werden dabei aber nicht etwa wie bei Angestellten die letzten 12 Monate zur Berechnung genutzt, sondern der Verdienst aus dem letzten Kalenderjahr vor Geburt des Kindes herangezogen.

Ein Beispiel: Wenn dein Kind im Juni 2022 geboren wird, dann wird als Bemessungszeitraum das vorangegangene Jahr, also Januar bis Dezember 2021, herangezogen. 

Dabei gilt ein Mindestbetrag für das Elterngeld für Selbstständige von 300€ sowie ein Höchstbetrag von 1.800€. Wenn dein durchschnittlicher Verdienst aus diesem Zeitraum unter 1.200€ lag, dann erhältst du 67% deines Einkommens als Elterngeld ausgezahlt. Hast du jedoch mehr als 1.200€ durchschnittlich verdient, stehen dir nur 65% deines Einkommens zu.

Wie lange erhalte ich Elterngeld?

Wie lange du Elterngeld bekommst hängt davon ab, für welches Modell du dich vorab entscheidest. Das sogenannte Basiselterngeld kannst du für mindestens zwei und maximal zwölf Monate beantragen. Bei Alleinerziehenden verlängert sich der maximale Anspruch auf 14 Monate. Falls beide Elternteile Elterngeld beantragen, steht ihnen ebenfalls bis zu 14 Monate Elterngeld zu. Welches Elternteil dabei wie lange in Auszeit geht, ist den Partnern dabei komplett selbst überlassen.

💡Tipp von Accountable: Das Basiselterngeld kannst du nur während der ersten 14 Lebensmonate deines Kindes beantragen. Danach steht dir nur noch das Elterngeld Plus oder der Partnerschaftsbonus zu.

Das Elterngeld Plus hingegen kann doppelt so lange in Anspruch genommen werden, wie das Basiselterngeld – halbiert aber damit pro Monat die Höhe der Zahlungen. Oder einfacher gesagt: Was du für einen Monat an Basiselterngeld erhältst, bekommst du mit dem Elterngeld Plus über zwei Monate ausgezahlt.

Wenn du dich gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Partnerin um die Betreuung eures Kindes kümmerst, dann kannst du den sogenannten Partnerschaftsbonus erhalten. Mit diesem Bonus bekommst du bis zu vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate, sofern du und dein Partner in diesen vier Monaten zur gleichen Zeit zwischen 24 und 32 Wochenstunden arbeitet. 

Kann ich Elterngeld erhalten und trotzdem arbeiten?

Dir steht es frei, während des Bezugs von Elterngeld deine selbstständige Tätigkeit fortzuführen – allerdings nur bis zu maximal 32 Stunden pro Woche und deine Einkünfte werden auf dein Elterngeld angerechnet. 

Selbstständigen wird das Elterngeld nämlich immer nur „unter Vorbehalt” ausgezahlt, da für die finale Abrechnung ermittelt wird, welche Einkünfte es im Bemessungszeitraum zusätzlich zum Elterngeld gab. Dementsprechend kann es durchaus sein, dass du einen Teil des erhaltenen Elterngeldes zurückzahlen musst.

Jedoch gibt es ein paar Tricks für Selbstständige, mit denen du die Zahlung des Elterngeldes positiv beeinflussen kannst:

  • Dir steht es frei, die Zahlung des Elterngeldes zu pausieren. In dieser Zeit kannst du normal selbstständig arbeiten und deine Einkünfte werden nicht auf das Elterngeld angerechnet
  • Für die Abrechnung des Elterngeldes ist es nicht relevant, wann du gearbeitet hast, sondern wann ein Zahlungseingang auf deinem Konto erfolgt ist. Du kannst also Rechnungen erst später verschicken und somit sicherstellen, dass deine Einkünfte die Zahlung deines Elterngeldes nicht beeinflussen
  • Wenn du die Höhe deines Elterngeldes anheben möchtest, solltest du dir bereits im Kalenderjahr vorher überlegen, welche Ausgaben du steuerlich absetzt. Diese verringern nämlich deine Einkünfte und somit auch die Bemessungsgrundlage für dein Elterngeld. 

Selbstständig und Kindergeld

Eltern steht neben dem Elterngeld auch die Zahlung von Kindergeld zu – und das komplett unabhängig davon, ob sie angestellt oder selbstständig arbeiten. Wie viel Kindergeld du bekommst ist in diesem Fall nicht davon abhängig, wie viel du verdienst sondern wie viele Kinder du hast. 

Aktuell bekommst du die folgenden Zahlungen:

  • Für das erste und zweite Kind bekommst du je 204 Euro
  • Für das dritte Kind erhältst du 210 Euro
  • Ab dem vierten Kind bekommst du 235 Euro

Dabei wird Kindergeld grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres gezahlt. Wenn dein Kind unter 21 ist und als arbeitssuchend gemeldet ist, erhältst du ebenfalls weiterhin Kindergeld. Und bis 25 Jahre verlängert sich das Kindergeld, wenn dein Kind sich in einer Ausbildung oder in einem Studium befindet oder ein soziales Jahr absolviert.

Kindergeld wird jedoch nicht automatisch überwiesen. Vielmehr musst du dafür einen Antrag stellen. Außerdem hast du die Wahl, ob du Kindergeld bekommen oder von dem Kinderfreibetrag Nutzen machen möchtest. Der Freibetrag liegt aktuell bei 8.190€ und wird von deinem zu versteuernden Einkommen abgezogen. 

➡️Einfach erklärt: Was ist der Unterschied zwischen Freibetrag, Freigrenze und Pauschbetrag?

Kinderbetreuungskosten absetzen

Schließlich kannst du auch bestimmte Kosten für die Betreuung deines Kindes steuerlich geltend machen. Du kannst die folgenden Betreuungskosten absetzen:

  • Kosten für Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderhorten, Kinderheime oder Kinderkrippen sowie bei Tagesmüttern, Wochenmüttern, in Ganztagspflegestellen und in Internaten
  • Kosten für die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen oder Kinderschwestern
  • Kosten für Babysitter oder Au-pair
  • Kosten für die Beaufsichtigung bei der Erledigung der häuslichen Schulaufgaben

Dabei kannst du zwei Drittel der anfallenden Kosten als Sonderausgabe geltend machen. Es gilt jedoch der Höchstbetrag von 6.000€ pro Kind. Darüber hinaus muss es sich um dein eigenes Kind oder ein Pflegekind handeln, das auch im gleichen Haushalt wohnt, und das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

💡Tipp von Accountable: Wenn du Schulgeld für dein Kind zahlst, kannst du 30% davon als Sonderausgabe in der Anlage Kind geltend machen.

Selbstständig mit Kind: Accountable kann helfen

Bei all den Freibeträgen und Einkunftsgrenzen kannst du schnell den Überblick verlieren – und gerade, wenn du ein Kind erwartest oder ein Neugeborenes Zuhause hast, bist du sicherlich mit anderen Dingen beschäftigt, als mit deinen steuerlichen Rechten und Verpflichtungen.

Accountable hilft dir dabei, auch in dieser aufregenden neuen Zeit einen kühlen Kopf zu bewahren und alle Einkünfte und Ausgaben im Blick zu behalten. Lade dir einfach kostenlos unsere App herunter und halte deine Finanzen über die einfache Fotoerkennung fest. So kannst du nicht nur stets schnell nachschauen, wie viel du verdient und ausgegeben hast, sondern auch automatisierte Steuererklärungen und Umsatzsteuervoranmeldungen erstellen und direkt über die App an das Finanzamt schicken.

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Sophia Merzbach, creative writer und content producer
Sophia Merzbach, creative writer und content producer

Sophia liebt es zu lesen und kreative Texte zu schreiben. Sie freut sich sehr, Teil des bunten Teams von Accountable zu sein und wird langsam aber sicher zum Profi in Steuerfragen.
In ihrer Freizeit trifft man sie in der Boulderhalle, im Italienischkurs oder beim Entdecken ihrer neuen Heimat Berlin.

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