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Selbständigkeit anmelden: Freiberufler oder Gewerbe? 

Lesezeit 4 minuten

Am Anfang der Selbständigkeit steht nicht nur eine gute Idee, sondern auch die Anmeldung dieser. Denn bevor Du mit Deiner selbständigen Tätigkeit loslegen kannst, ist es Pflicht, dass Du diese anmeldest. Bereits bei diesem Schritt musst Du Dir im Klaren darüber sein, ob es sich bei Deiner Selbständigkeit um eine freiberufliche Tätigkeit oder um eine gewerbliche Tätigkeit handelt. Hiervon ist nicht nur abhängig auf welchem Wege Du Deine Selbständigkeit anmeldest, sondern diese Entscheidung ist auch steuerlich bedeutend. Sie spielt außerdem auch auf anderen Rechtsgebieten eine Rolle.


Dabei gilt Folgendes: Du kannst Dir nicht aussuchen, ob Du Freiberufler oder Gewerbetreibender bist. Es handelt sich um bereits definierte Tätigkeitsbereiche. Du musst lediglich im Vorfeld wissen unter welche Art der Selbständigkeit Dein Beruf fällt. 

 

Doch woher weißt Du, ob Du Freiberufler bist oder ein Gewerbe führst? Wir haben Dir die wichtigsten Fakten in diesem Artikel zusammengetragen ⬇️

 

Freiberuflichkeit im Überblick

Grundsätzlich wird als Freiberufler eine selbständige Tätigkeit ausgeübt. Es handelt sich also um einen Oberbegriff, der nicht einheitlich zu betrachten ist. Hinweise darüber, welche Tätigkeiten als freiberuflich eingestuft werden, finden sich im Artikel 18 des Einkommenssteuergesetzes.

Hier heißt es: „Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit […]”.

Um dies zu spezifizieren werden im selben Artikel auch beispielhafte Berufsgruppen gelistet. Zu diesen gehören, z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Steuerberater, Journalisten aber auch Heilpraktiker oder Krankengymnasten. Es handelt sich aber nicht um einen vollständigen Katalog. Das heißt auch, wenn Dein Beruf hier zunächst nicht gelistet wird, kann es sein, dass Du einer freiberuflichen Tätigkeit nachgehst. Es gibt eine Menge an vergleichbaren Berufsgruppen, die als freiberuflich behandelt werden und letztendlich nimmt das Finanzamt die Entscheidung immer im Einzelfall vor. Als Freiberufler gilt jedoch, dass die selbständige Tätigkeit auf einer wissenschaftlichen Ausbildung beruhen muss, z.B. einem Hochschulstudium. 

🔖  Um Deine Selbständigkeit als Freiberufler anzumelden, musst Du Dich an Dein Finanzamt melden. Dies muss innerhalb von 4 Wochen nach Beginn Deiner Selbständigkeit erfolgen. Hier kannst Du den “Frageboden zur steuerlichen Erfassung” beantragen und ausgefüllt zurückschicken. Übrigens: Als Freiberufler musst Du keine jährliche Bilanz abgeben und kannst vereinfachte Buchhaltung führen, d.h. es genügen einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnungen. Wenn Du ein Gewerbe hast, ist dies anders. Mehr dazu später.

 

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Das Gewerbe als Form der Selbständigkeit

Als Gewerbetreibender bist Du ebenfalls selbständig. Anders als Freiberufler meldest Du als Gewerbetreibender Deine selbständige Tätigkeit nicht direkt beim Finanzamt an. Stattdessen musst Du Dich an das zuständige Gewerbeamt – das kann das Ordnungsamt oder auch das Gemeindeamt sein – wenden. Hier kannst Du dann auch Deinen Gewerbeschein beantragen. Die Beantragung dessen kostet zwischen 20 und 60 Euro. Praktisch: Es erfolgt in der Regel eine automatische Benachrichtigung des Finanzamts und Dir wird der eben erwähnte “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” zugesendet. Der Gang zum Finanzamt ist in der Regel also nicht notwendig, sondern das Finanzamt meldet sich nach der Anmeldung des Gewerbes bei Dir.

Doch wann ist die Selbständigkeit überhaupt eine gewerbliche Tätigkeit? Auch hier gibt das Einkommenssteuergesetz mehr Auskunft. In Artikel 18, Absatz 2 wird wie folgt definiert:

„Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“

Zu den “klassischen” Gewerben gehören, z.B. Handwerks- und Industriebetriebe, Handelsbetriebe sowie die Tätigkeit als Vermittler oder Gaststättenbetriebe. Ebenfalls wichtig: Aufgrund der Rechtsform z.B. GmbH oder AG werden Unternehmen mit dieser Rechtsform unabhängig von der Art der Tätigkeit immer als Gewerbe eingestuft.

 

Was bedeutet diese Unterscheidung konkret?

Bereits die Anmeldung der Selbständigkeit unterscheidet sich voneinander: Gewerbetreibende melden ein Gewerbe beim Gewerbeamt an und Freiberufler tun dies nicht. Daraus ergibt sich, dass Freiberufler weder Gewerbesteuer zahlen, noch sich im Handels- oder Unternehmensregister eintragen müssen. Wie bereits erwähnt müssen Freiberufler keine jährliche Bilanz abgeben und können vereinfachte Buchhaltung führen, d.h. es genügen einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnungen. Im Vergleich dazu müssen Gewerbebetriebe eine Mitgliedschaft bei der IHK bzw. HWK haben. Diese ist verpflichtend und mit Beiträgen verbunden, welche sich am Jahresumsatz, der Rechtsform und am Standort orientieren. Außerdem fallen ab einem jährlichen Gewinn von 24.000 Euro Gewerbesteuern an. 

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Fazit: Keine Qual der Wahl

Die berüchtigte Qual der Wahl trifft bei der Entscheidung, ob Du Deine Selbständigkeit als Freiberufler oder Gewerbetreibender anmeldest, nicht wirklich zu. Denn, obwohl die Freiberuflichkeit auf den ersten Blick mit einigen Vorteilen, z.B. Steuervorteilen, lockt, kannst Du Dir im Endeffekt nicht aussuchen, ob Du freiberuflich arbeitest oder nicht. Dies ist an Deine Tätigkeit gebunden und die Entscheidung liegt im Endeffekt beim Finanzamt. Oftmals ist es jedoch gar nicht so eindeutig zuzuordnen, ob es sich um eine freiberufliche oder eben doch um eine gewerbliche  Tätigkeit  handelt. Vor allem in unserer heutigen Zeit, in der sich am laufenden Bande neue Berufsfelder entwickeln. Zusätzlich gibt es Tätigkeiten, die weder als freiberufliche noch als gewerbetreibende Tätigkeiten eingestuft werden. Diese werden als sonstige selbstständige Tätigkeiten bezeichnet.

Wenn Du Dir also nicht sicher bist, ob Du Deine Selbständigkeit als Freiberufler oder als Gewerbe anmelden sollst, dann raten wir Dir dazu Dich bereits im Vorfeld an das Finanzamt zu wenden. Denn, wenn Du Deine Selbständigkeit als Freiberufler anmeldest, bei einer späteren Prüfung dann aber doch als Gewerbetreibender eingestuft wirst, musst Du rückwirkend Gewerbesteuern zahlen. Du sparst Dir also jede Menge Stress, wenn Du Deine Selbständigkeit von Anfang an korrekt anmeldest und mit dem Finanzamt Rücksprache hältst, falls Du Dir unsicher bist.

Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany
Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany

Tino hat bereits zwei Unternehmen aufgebaut und kennt daher die Herausforderungen für Selbständige aus erster Hand. Mit Accountable will das Thema Steuern lösen.
Ansonsten freut sich Tino über die gelegentlichen Siege des 1. FC Köln und genießt gerne ein schönes Asado mit einem Glas Malbec im Kreis von Familie und Freunden.

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