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Unfallversicherung für Freiberufler: Pflicht oder nur Option?

Aktualisiert am
Lesezeit 4 Minuten

Versicherungen sind eine Möglichkeit, sich gegen unvorhergesehene Unglücke finanziell abzusichern. Klar, ohne Krankenversicherung geht es nicht. Das schreibt sogar das Gesetz vor.

Doch wie sieht es mit anderen Versicherungen aus? Anders als die Kranken- und Kfz-Haftpflichtversicherung gehört die Unfallversicherung für Freiberufler:innen nicht zu den Pflichtversicherungen. Das heißt aber nicht, dass du sie ausschließen solltest. In einigen Fällen kann sie nämlich deine finanzielle Existenz sichern.

Unfallversicherung für Freiberufler: Privat oder in der Berufsgenossenschaft?

Doch was genau deckt eine Unfallversicherung eigentlich ab, was eine Krankenkasse nicht leistet? Grundsätzlich sind es tatsächlich nur wenige Fälle, die durch eine Unfallversicherung abgesichert werden. 

Eine Berufsunfähigkeit geschieht in 90 Prozent der Fälle durch eine Krankheit. Unfälle, die im Straßenverkehr vorkommen oder durch andere von außen einwirkende Gegenstände, wie einen herunterfallenden Ast oder Dachziegel, verursacht werden, sind nur selten der Grund dafür, dass eine Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. 

Doch gerade für Selbständige können sich die Kosten für eine Unfallversicherung lohnen. Sie sind nämlich nicht über den Arbeitgebenden gegen Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten abgesichert.

Es stehen dir zwei Optionen offen, eine Unfallversicherung abzuschließen. Die umfassendere private und die gesetzliche Unfallversicherung für Freiberufler:innen über die Berufsgenossenschaft.

Private Unfallversicherung für Freiberufler: Vorteile

Du kannst dich über eine private Unfallversicherung gegen Unfälle absichern. Grundsätzlich ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige zwar die bessere Wahl. Dieser Schutz ist allerdings mit hohen Kosten verbunden und gerade Freiberufler:innen mit geringem Einkommen können sich diese Absicherung meist nicht leisten. 

Vorteile der privaten Unfallversicherung für Freiberufler

Eine private Unfallversicherung bringt insgesamt einige Vorteile mit sich:

  • Anders als die gesetzliche deckt sie auch Unfälle im privaten Bereich ab. Dieser Umstand ist besonders hervorzuheben, da zuhause und in der Freizeit etwa die Hälfte aller Unfälle passieren. Gesetzliche Unfallversicherungen decken all diese Unfälle nicht ab, womit du mit einer privaten Unfallversicherung mehr Eventualitäten absicherst.
  • In der privaten Unfallversicherung sind zudem höhere Zahlungen drin, wenn dir wirklich einmal etwas passieren sollte. Mit den Renten, die dich mit einer gesetzlichen Unfallversicherung bei einem Unfall erwarten, kannst du deinen Lebensunterhalt oft nicht bestreiten.
  • Bei der privaten Unfallversicherung handelt es sich, wie auch bei der privaten Krankenversicherung, um ein Paket, dessen Leistungen du dir nach deinen Wünschen und vor allem auch nach deinem Budget zusammenstellen kannst. Du erhältst damit genau den Schutz, den du dir wünschst bzw. den du dir leisten kannst.

Gesetzliche Unfallversicherung für Freiberufler

Während Angestellte automatisch in der Berufsgenossenschaft pflichtversichert sind, müssen sich Freiberufler:innen wie gesagt selbst um ihren Versicherungsschutz kümmern. Neben der privaten Unfallversicherung ist dies auch durch eine freiwillige Versicherung in der Berufsgenossenschaft möglich.

Kosten für die Versicherung über die Berufsgenossenschaft

Dafür können Künster:innen und Publizist:innen einen Antrag bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft stellen. Die Berufsgenossenschaft nimmt dann eine Einstufung in die zur Tätigkeit passende Gefahrenklasse ein. Einen Tag nach Antragstellung bist du bereits gegen Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten abgesichert. Zu den Leistungen gehören die Behandlungskosten, die nach einem Unfall entstehen, sowie Hilfsmittel, Rehabilitation und Physiotherapie. Auch Geldzahlungen für den Verdienstausfall werden teilweise von der Berufsgenossenschaft übernommen.

Berufsgenossenschaft: Versicherungsgeber ohne Profitgedanken

Insgesamt zahlst du aber als Freiberufler:in oder mit einem Kleingewerbe für eine Unfallversicherung über die Berufsgenossenschaft einen sehr fairen Betrag. Das liegt daran, dass es sich nicht um ein privates Unternehmen handelt und damit die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund steht. Die Beiträge beruhen auf drei Faktoren:

  1. Versicherungssumme: Diese solltest du so hoch ansetzen wie dein jährliches Einkommen. Für die Versicherungssumme gibt es einen Mindestbetrag von 23.688 Euro. Wenn du freie:r Journalist:in bist, zahlst du beispielsweise mindestens 62 Euro im Jahr, auch wenn du weniger verdienst.
  2. Unfallrisiko: Genau wie die privaten Versicherungsunternehmen verlangen auch die Berufsgenossenschaften von einem freiberuflichen Publizisten weniger Beiträge als von einem Tanzlehrer. Immerhin ist das Unfallrisiko bei beiden Tätigkeiten sehr verschieden. Die Kosten für die Berufsgenossenschaft für Freiberufler:innen gehen also je nach Tätigkeit weit auseinander.
  3. Beitragsschlüssel: Dieser wird in jedem Jahr neu festgesetzt und richtet sich nach den Ausgaben der Berufsgenossenschaft im Jahr zuvor. Hat es also im Vorjahr viele Unfälle gegeben und hat die Berufsgenossenschaft damit viele Ausgaben gehabt, steigt der Beitragsschlüssel für alle Versicherten. 

Was ist mit Unfällen im Homeoffice?

Wir wollen außerdem noch darauf hinweisen, dass es bei Unfällen im Homeoffice zu Problemen mit der gesetzlichen Unfallversicherung kommen kann. Das Problem ist, dass im Homeoffice private und berufliche Tätigkeiten oft miteinander verschmelzen. Machst du beispielsweise während deines heimischen Büroalltags eine kurze Pause, um die Wäsche aufzuhängen und stürzt dabei, zählt dies nicht als Berufsunfall. Die Tätigkeit, bei der du dich verletzt, muss auf deinen Beruf ausgerichtet sein. Dies ist im Homeoffice teils schwer nachweisbar. 

Für welche Freiberufler ist die Unfallversicherung Pflicht?

Egal ob Groß- oder Einzelunternehmer – für manche Selbstständige ist die Unfallversicherung Pflicht. Dies legen Satzungen mancher Berufsgenossenschaften fest. Betroffen sind vor allem Selbstständige, die im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrtspflege und der Landwirtschaft tätig sind. Zu den Berufsgruppen, die versicherungspflichtig sind, gehören:

  • Logopäd:innen
  • Masseur:innen
  • Physiotherapeut:innen
  • Hebammen
  • Landwirt:innen
  • Entwicklungshelfer:innen
  • Küstenschiffer:innen und -fischer:innen

All diese Berufsgruppen sind dazu verpflichtet, sich in der Berufsgenossenschaft gegen Unfälle abzusichern. Es besteht nur eine Ausnahme und zwar für Landwirt:innen und deren Ehepartner:innen, die als Kleinunternehmer:innen tätig sind und nicht mehr als 2.500 Quadratmeter bewirtschaften.

Kombination aus gesetzlicher und privater Unfallversicherung für Freiberufler

Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte sich nicht nur in der Berufsgenossenschaft, sondern auch privat gegen Unfälle absichern. Über die Berufsgenossenschaft bist du nämlich nur während der Arbeitszeit und während Tätigkeiten, die mit dem eigenen Gewerbe zusammenhängen, geschützt. Mit einer privaten Unfallversicherung gilt der Versicherungsschutz auch bei Unfällen, die in deiner Freizeit passieren.

Absetzbarkeit der Kosten für die Unfallversicherung für Selbstständige

Genau wie andere Versicherungsbeiträge kannst du als Selbstständige:r die Kosten für die Unfallversicherung von deiner Einkommenssteuer absetzen. Dabei lässt sich sowohl die private als auch die berufliche Versicherung geltend machen. Die Ausgaben für die private Unfallversicherung lässt sich in deiner Steuererklärung unter Vorsorgeleistung eintragen. Bei der beruflichen Unfallversicherung handelt es sich um Betriebsausgaben. Selbstständige können die Beiträge für die Unfallversicherung als Werbekosten absetzen.

➡️ Welche Versicherungen brauchen Freiberufler noch? Lies hier weiter!

Fazit: Unfallversicherung: ja oder nein?

Die Unfallversicherung gehört nicht zu den Pflichtversicherungen, um die du dich unbedingt nach dem Start in die Selbstständigkeit kümmern musst. Aber dennoch solltest du dir gut überlegen, ob du ganz ohne diese Absicherung auskommen möchtest.

Gerade wenn du dein Geld mit einer freiberuflichen Tätigkeit verdienst, in denen ein hohes Unfallrisiko besteht, raten wir dir zur Antragstellung bei deiner Berufsgenossenschaft. Für Menschen, die auch in der Freizeit gegen eventuelle Unfälle abgesichert sein wollen, ist die private Unfallversicherung empfehlenswert.


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Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany
Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany

Tino hat bereits zwei Unternehmen aufgebaut und kennt daher die Herausforderungen für Selbständige aus erster Hand. Mit Accountable will er das Thema Steuern lösen.
Ansonsten freut sich Tino über die gelegentlichen Siege des 1. FC Köln und genießt gerne ein schönes Asado mit einem Glas Malbec im Kreis von Familie und Freunden.

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