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So beantragst du einen Gewerbeschein

Aktualisiert am
Lesezeit 4 minuten

Ein Gewerbe anzumelden ist  relativ einfach. Trotzdem solltest du dir vorab einige Fragen stellen: Wo muss ich mein Gewerbe anmelden? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen und welche Unterlagen braucht das Gewerbeamt von mir? Außerdem solltest du klären, ob du überhaupt dazu verpflichtet bist, ein Gewerbe anzumelden oder nicht. In diesem Artikel erfährst du, was du beachtest solltest.

Welche Voraussetzungen muss ich für die Gewerbeanmeldung  erfüllen?

Bevor du ein Gewerbe beantragen kannst, musst du zweifelsfrei klären, ob du dazu überhaupt verpflichtet bist. Freiberufliche Tätigkeiten sind nämlich keinesfalls als Gewerbe einzustufen. Als Freiberufler musst du lediglich beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen und hast weder mit dem Gewerbeamt noch mit der Gewerbesteuer etwas zu tun. Folgende Berufsgruppen fallen unter die Kategorie der „freien Berufe”:

  • Ärzte und andere Heilberufe
  • Wissenschaftler
  • Rechtsanwälte
  • Architekten
  • Wirtschaftsprüfer
  • Steuerberater
  • Ingenieure mit eigenen Planungsbüros 
  • Künstler, Schriftsteller, und Journalisten
  • Berater und Dozenten
  • Musiklehrer
  • und mehr

Für die aufgeführten Berufe gilt Gewerbesteuerfreiheit. Doch Vorsicht! Wenn du eine GmbH gründest und in diesem Rahmen zum Beispiel Texte schreibst, Bilder verkaufst oder Beratungsleistungen erbringst, dann ist die GmbH auf jeden Fall gewerbesteuerpflichtig und du musst ein Gewerbe anmelden. Nur wenn du einen Freiberuflerstatus als Einzelunternehmer hast, fällst du rein steuerrechtlich betrachtet in die Kategorie der Freiberufler.

💡 Tipp von Accountable: Landwirte, Viehzüchter, Fischzüchter und Personen, die Fischerei als Geschäftszweck auf ihre Fahnen geschrieben haben, müssen ebenfalls keine Gewerbeanmeldung machen.

Weitere Voraussetzung: Absicht der Gewinnerzielung

Gehörst du nicht zu den genannten Berufen, betreibst du aber gewerbliche Tätigkeit in einem so geringen Umfang, dass man diese als Hobby bezeichnen könnte, dann musst du ebenfalls keine Gewerbeanmeldung vornehmen. 

Du musst nur dann ein Gewerbe anmelden, wenn du eine Absicht zur Gewinnerzielung hast.

Welche Bedingungen gibt es für eine Gewerbeanmeldung?

Generell darf in Deutschland jeder gewerblich tätig werden. Aber es besteht die Verpflichtung, dass ausgeübte Gewerbe anzumelden. Dabei überprüfen die Behörden, ob die formalen Rahmenbedingungen erfüllt sind und um welche Tätigkeit es sich handelt. Unter Umständen gibt es besondere Erlaubnispflichten für bestimmte Tätigkeiten. Die folgenden Berufsgruppen sind zur Gewerbeanmeldung verpflichtet:

  • zulassungspflichtige Bauberufe/Handwerkerberufe
  • Makler und Vermittler von Finanzdienstleistungen und Versicherungen
  • Personen- und Güterbeförderung
  • Fahrschulbetriebe
  • Gaststätten
  • Spielhallen
  • Tierhandel
  • Handel mit Waffen/Munition/Sprengstoff
  • Inkassobetriebe
  • Arbeitnehmerüberlassungen
  • selbstständige Buchführungshelfer
  • Tätigkeiten im Bereich von Objektschutz/Bewachung

Um in diesen Bereichen arbeiten zu können, brauchst du eine sogenannte Konzession, also die offizielle Genehmigung einer Behörde. Diese erhältst du, nachdem spezielle Einzelheiten von der zuständigen Stelle überprüft wurden. Eine Gaststätte muss beispielsweise den Nachweis erbringen, dass ein bestimmter Hygienekurs absolviert wurde. Wer im Personen- oder Güterfernverkehr tätig ist, muss bestimmte Beförderungs- und gegebenenfalls Gefahrgutscheine vorweisen. Einige Handwerksbetriebe müssen einen Meisterbrief vorlegen. 

Grundsätzlich solltest du dich immer explizit bei dem zuständigen Gewerbeamt informieren, welche zusätzlichen Bescheinigungen und Nachweise du vorlegen musst.

Die Gewerbeanmeldung in 3 Schritten

Nachdem du geklärt hast, ob du überhaupt ein Gewerbe anmelden und ob du besondere Bescheinigungen oder Zertifikate vorlegen musst, stehen dir noch diese 3 Schritte bevor:

1. Je nachdem, in welchem Bundesland du lebst, machst du einen Termin bei der IHK oder beim zuständigen Gewerbeamt. Folgende Unterlagen bringst du mit: Personalausweis/Reisepass mit Meldebescheinigung sowie eventuell bereits vorher angeforderte Bescheinigungen, Zertifikate oder Zeugnisse.

2. Fülle bereits vorab das Gewerbeanmeldungsformular aus, sofern es von der zuständigen Meldestelle online bereitgestellt wird.

3. Reiche das Formular persönlich ein, zahle die Gebühr und nimm deinen Gewerbeschein entgegen.

Persönliche Anmeldung

Um ein Gewerbe anzumelden, musst du in den meisten Fällen persönlich beim Gewerbeamt erscheinen. Solltest du verhindert sein, kannst du eine entsprechende Vollmacht ausstellen, sodass der Bevollmächtigte den Behördengang für dich erledigt. Falls du in der Rechtsform der GmbH gründest, ist die Gewerbeanmeldung vom Geschäftsführer oder vom geschäftsführenden Gesellschafter vorzunehmen.

Bei manchen Behörden kann der Antrag auch per Post eingereicht werden. Dann druckst du das Formular aus, machst die geforderten Angaben und schickst alles zum Gewerbeamt. Letztlich musst du aber persönlich unterschreiben, eine komplette Online-Anmeldung ohne persönlichen Kontakt ist ausgeschlossen. 

Ausnahme: Aktuell bietet Berlin einen Service an, mit dem du die Gewerbeanmeldung zu 100 % online erledigen kannst. Dafür gibt es ein spezielles Formular auf der Webseite der Berliner Gewerbeämter.

Kosten der Gewerbeanmeldung

Die Gemeinden legen die Kosten für eine Gewerbeanmeldung selber fest. So kann eine Gewerbeanmeldung in einer ländlichen Gegend durchaus unter 15 Euro kosten, in stark frequentierten Regionen, werden aber schnell bis zu 60 Euro fällig. Hierbei handelt es sich lediglich um die Gebühr, die eine Gewerbeanmeldung beim Amt kostet.

Weiterhin solltest du bedenken, dass die zusätzliche Erlangung benötigter Unterlagen ebenfalls Geld kostet. Wenn zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis Pflicht ist, dann musst du das vorab beantragen. Das kostet in der Regel 30 bis 40 Euro.

Fehlt dir beispielsweise ein gültiger Personalausweis, musst du auch dafür Geld aufbringen. Denn ein gültiger Personalausweis bzw. ein gültiger Identitätsnachweis ist eine Grundvoraussetzung, um ein Gewerbe anzumelden.

Noch teurer wird es, wenn du Kurse belegen musst, um eine Konzession zu bekommen. Wenn du beispielsweise einen Gastronomiebetrieb eröffnen willst, dann musst du den sogenannten Hygieneschein vorlegen. Der Hygieneschein wird nur ausgestellt, wenn du den Hygienekurs abschließt. Dieser ist natürlich mit Kosten verbunden.

Für einen Handwerksbetrieb benötigst du einen Meisterbrief zur Eröffnung. Falls dir der Meisterbrief noch fehlt, musst du einen Meisterkurs belegen und die Prüfung bestehen. Dann kommen einige Tausend Euro an Kosten auf dich zu.

Kurzum: Wie teuer die Gewerbeanmeldung wird, hängt nicht alleine von der zuständigen Meldestelle und ihrer Gebühr ab, sondern vor allem an der Art des Gewerbes, das du anmelden willst.

Fazit

Für alle, die nicht zu den freien Berufen zählen, ist die Gewerbeanmeldung vor der Aufnahme der Tätigkeit zwingend notwendig. Wenn die Tätigkeit dauerhaft und auf Gewinnerzielung angelegt ist, dann wird deine Tätigkeit als gewerblich eingestuft. Somit ist deine Tätigkeit anmeldepflichtig. Jeder angehende Selbstständige oder Unternehmer steht in der Verantwortung, allen gesetzlichen Pflichten nachzukommen. Eine Nichtanmeldung kann Bußgelder und Nachzahlungen zur Folge haben und daher gilt der Grundsatz: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. 

💡 Tipp von Accountable: Mit unserer kostenlosen App kannst du alle deine Steuerangelegenheiten von Tag eins nach deiner Gewerbeanmeldung wie ein Profi erledigen.

Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany
Tino Keller, Geschäftsführer & Gründer von Accountable Germany

Tino hat bereits zwei Unternehmen aufgebaut und kennt daher die Herausforderungen für Selbständige aus erster Hand. Mit Accountable will das Thema Steuern lösen.
Ansonsten freut sich Tino über die gelegentlichen Siege des 1. FC Köln und genießt gerne ein schönes Asado mit einem Glas Malbec im Kreis von Familie und Freunden.

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